Wann sollte ich

zum Arzt?

Anzeichen richtig deuten

Nicht immer lassen sich Anzeichen und Beschwerden gleich den Wechseljahren zuordnen, auch wenn sie direkt damit zusammenhängen. Grundsätzlich gilt, egal welche Symptome Sie haben, gehen Sie zum Arzt und lassen Sie diese abklären. Achten Sie auf Ihren Körper. Die genaue Beobachtung der Dauer und Stärke der Beschwerden kann zusätzliche Hinweise geben, ob es sich um Wechseljahresbeschwerden oder andere Erkrankungen handelt.

Die Dauer der Beschwerden

Etwa ein Drittel aller Frauen durchläuft die Wechseljahre ohne oder mit sehr geringen Beschwerden. Alle anderen nehmen Symptome wahr, die den Alltag teilweise stark einschränken können. Doch auch schwache Beschwerden, die für einen längeren Zeitraum bestehen, müssen fachgerecht abgeklärt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen. Immerhin können die Symptome bereits fünf Jahre vor der letzten Monatsblutung eintreten und über die gesamte Dauer der Wechseljahre bis hin zu vielen Jahren danach anhalten. Um Beschwerden auf den Grund zu gehen, ist der Gang zum Arzt deshalb wichtig. So können Sie sich Einschränkungen oder Schmerzen ersparen bzw. lernen, besser mit ihnen umzugehen.

Welcher Arzt ist der richtige?

Um die richtige Diagnose stellen zu können, ist der Arzt gefragt. Doch viele Symptome, wie Konzentrationsprobleme oder Schlafstörungen, lassen sich einzeln betrachtet nur schwer auf die Wechseljahre zurückführen. Dabei sollte bedacht werden, an welchen Arzt man sich wendet. Die genannten Symptome werden meist nur beim Hausarzt angesprochen. Sind Sie allerdings in den Wechseljahren, kann auch ein Gespräch mit dem Frauenarzt zielführend sein.

Damit Ihr Frauenarzt Ihnen bestmöglich helfen kann, ist es wichtig, dass Sie offen mit Ihm reden. Jedes Symptom, das Sie einschränkt, sollte mit ihm besprochen werden. Hierbei sollte auch an Beschwerden gedacht werden, die nicht typischerweise mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht werden, wie Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Gelenkschmerzen. Wenn Ihr Frauenarzt feststellt, dass es sich um Wechseljahresbeschwerden handelt, ist er der richtige Ansprechpartner, mit dem Sie das weitere Vorgehen klären können. Er kennt verschiedene Therapiemethoden. Eine Übersicht der möglichen Wechseljahresbeschwerden finden Sie hier.

Trauen Sie sich auch, Themen anzusprechen, die auf den ersten Blick unangenehm oder peinlich erscheinen. Ein Problem vieler Frauen sind beispielsweise Schmerzen bzw. ein Brennen beim Geschlechtsverkehr, ein Thema, über das man nur ungern spricht, das jedoch häufig in den Wechseljahren vorkommt.

Stärke der Beschwerden bestimmen

Um die Beschwerden und deren Stärke für die nötige Behandlung und den Verlauf der Therapie zu dokumentieren, wurde 1994 die sogenannte Menopause-Rating-Skala (MRS) und später die erweiterte MRS II entwickelt und veröffentlicht.1 An der Entwicklung waren verschiedene Institute beteiligt, unter anderem das ZEG Berlin  (Prof. Dr. Lothar A. J. Heinemann). Die MRS ist eine Selbstbeurteilungsskala für Frauen in den Wechseljahren und dient als übersichtliches Hilfsmittel zur Diagnostik und genauen Einschätzung der Wechseljahresbeschwerden. Es ist eine validierte Skala, die helfen soll, Ihre Beschwerden genau zu dokumentieren. Darüber hinaus können Sie so Ihre Symptome mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin detailliert besprechen und dieser/diese hat die Möglichkeit, Ihre Daten besser auszuwerten.

Die Skala bewertet die wichtigsten Symptome, sodass ein individuelles Profil jeder Patientin entsteht. Sie kann sowohl vom Arzt als auch von der Patientin selbst ausgefüllt werden. Es wird in insgesamt elf verschiedene Beschwerdebilder unterschieden, die mit Punkten beurteilt werden, von „0 = keine Beschwerden“ über „1 = leichte“, „2 = mittlere“, „3 = starke“ bis „4 = sehr starke“ Beschwerden. Die elf Beschwerdebilder setzen sich wie folgt zusammen:

  • Wallungen, Schwitzen (aufsteigende Hitze, Schweißausbrüche)
  • Herzbeschwerden (Herzklopfen, Herzrasen, Herzstolpern, Herzbeklemmungen)
  • Schlafstörungen (Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, zu frühes Aufwachen)
  • Depressive Verstimmung (Mutlosigkeit, Traurigkeit, Weinerlichkeit, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen)
  • Reizbarkeit (Nervosität, innere Anspannung, Aggressivität)
  • Ängstlichkeit (innere Unruhe, Panik)
  • Körperliche und geistige Erschöpfung (allgemeine Leistungsminderung, Gedächtnisminderung, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit)
  • Sexualprobleme (Veränderung des sexuellen Verlangens, der sexuellen Betätigung und Befriedigung)
  • Harnwegsbeschwerden (Beschwerden beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, unwillkürlicher Harnabgang)
  • Trockenheit der Scheide (Trockenheitsgefühl oder Brennen der Scheide, Beschwerden beim Geschlechtsverkehr)
  • Gelenk- und Muskelbeschwerden (Schmerzen im Bereich der Gelenke, rheuma-ähnliche Beschwerden).

Die MRS kann auch in der Forschung zu Rate gezogen werden, um die Wirksamkeit von Arzneimitteln zu analysieren. Interessanterweise wird ein direkter Zusammenhang zwischen der Höhe des ermittelten Wertes der MRS und der Lebensqualität der Frau beobachtet. Je höher der Wert auf der Skala ausfällt, desto stärker ist die Lebensqualität eingeschränkt.

Mythos oder Fakt?

„Man kann nichts gegen die Beschwerden der Wechseljahre unternehmen.“

Das ist ein Mythos. Neben pflanzlichen Produkten, die bei geringen Beschwerden helfen können, ist eine Hormonersatztherapie (engl.: Hormone Replacement Therapy = HRT) in den Wechseljahren und nach der Menopause bei entsprechenden Beschwerden wirksam. Hierzu gehören v. a. Hitzewallungen oder Scheidentrockenheit, aber auch andere Symptome. Sie müssen die Beschwerden also in keinem Fall einfach hinnehmen.

Antwort auswerten

1 Hauser, G.A., et al. (1999). Die Selbstbeurteilungs-Skala für klimakterische Beschwerden (Menopause Rating Scale II). Journal für Menopause. 6(4):12–15.

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