Wann sollte ich eine Arztpraxis aufsuchen?

wechseljahre-verstehen.de | Hero Image: Diagnose der Wechseljahre

Medizinisch geprüft von Martina Ehmen (Medical Advisor)

Sind meine Beschwerden Anzeichen für die Wechseljahre? Sollte ich eine Arztpraxis aufsuchen? An wen wende ich mich am besten? Kann ich eventuell einen Selbsttest machen, um meine Beschwerden richtig einzuschätzen? Antworten auf diese Fragen findest du hier.

Anzeichen richtig deuten

Nicht immer lassen sich Anzeichen und Beschwerden gleich den Wechseljahren zuordnen, auch wenn sie direkt damit zusammenhängen. Grundsätzlich gilt, egal welche Symptome du hast, gehe zu deiner Ärztin oder zu deinem Arzt und lasse diese abklären. Achte auf deinen Körper. Die genaue Beobachtung der Dauer und Stärke der Beschwerden kann zusätzliche Hinweise geben, ob es sich um Wechseljahresbeschwerden oder eine Erkrankung handelt.

Die Dauer der Beschwerden

Etwa ein Drittel aller Frauen durchläuft die Wechseljahre ohne oder mit sehr geringen Beschwerden. Alle anderen nehmen Symptome wahr, die den Alltag teilweise stark einschränken können. Doch auch milde Beschwerden, die für einen längeren Zeitraum bestehen, müssen fachgerecht abgeklärt werden, um mögliche Erkrankungen auszuschließen. Immerhin können die Symptome bereits fünf Jahre vor der letzten Monatsblutung eintreten und über die gesamte Dauer der Wechseljahre bis hin zu vielen Jahren danach anhalten. Um Beschwerden auf den Grund zu gehen, ist der Gang zur Ärztin oder zum Arzt deshalb wichtig. So kannst du dir Einschränkungen oder Schmerzen ersparen bzw. lernen, besser mit ihnen umzugehen.

Bei welcher Ärztin oder welchem Arzt bin ich richtig?

Um die richtige Diagnose stellen zu können, ist die Ärztin oder der Arzt gefragt. Doch viele Symptome, wie Konzentrationsprobleme oder Schlafstörungen lassen sich einzeln betrachtet nur schwer auf die Wechseljahre zurückführen. Daher sollte überlegt werden, an welche Ärztin oder welchen Arzt man sich wendet. Die genannten Symptome werden meist bei der Hausärztin oder beim Hausarzt angesprochen. Bist du allerdings in den Wechseljahren, kann auch ein Gespräch mit der Frauenärztin oder dem Frauenarzt zielführend sein.

Damit man dir in der gynäkologischen Praxis bestmöglich helfen kann, ist es wichtig, dass du offen über deine Beschwerden redest. Jedes Symptom, das dich einschränkt, sollte mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden. Hierbei sollte auch an Beschwerden gedacht werden, die nicht typischerweise mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht werden, wie Schlafstörungen oder Gelenkschmerzen. Wenn deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt feststellt, dass es sich um Wechseljahresbeschwerden handelt, bist du bei der richtigen Person, mit der du das weitere Vorgehen planen kannst. Deine Frauenärztin bzw. dein Frauenarzt kennt verschiedene Therapiemethoden. Eine Übersicht der möglichen Wechseljahresbeschwerden findest du hier.

Traue dich, auch Themen anzusprechen, die auf den ersten Blick unangenehm oder peinlich erscheinen. Ein Problem vieler Frauen ist beispielsweise über Schmerzen bzw. ein Brennen beim Geschlechtsverkehr zu sprechen. Dabei ist das ein Thema, das häufig in den Wechseljahren vorkommt.

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Stärke der Beschwerden bestimmen

Um die Beschwerden und deren Stärke für die nötige Behandlung und den Verlauf der Therapie zu dokumentieren, wurde 1994 die sogenannte Menopause-Rating-Skala (MRS) und später die erweiterte MRS II entwickelt und veröffentlicht. An der Entwicklung waren verschiedene Institute beteiligt, unter anderem das ZEG Berlin (Prof. Dr. Lothar A. J. Heinemann). Die MRS ist eine Selbstbeurteilungsskala für Frauen in den Wechseljahren und dient als übersichtliches Hilfsmittel zur Diagnostik und genauen Einschätzung der Wechseljahresbeschwerden. Es ist eine validierte Skala, die helfen soll, deine Beschwerden genau zu dokumentieren. Darüber hinaus kannst du so deine Symptome mit deiner Ärztin oder deinem Arzt detailliert besprechen und sie bzw. er hat dann die Möglichkeit, deine Daten besser auszuwerten.

Die Skala bewertet die wichtigsten Symptome, sodass ein individuelles Profil jeder Patientin entsteht. Sie kann sowohl von der Ärztin als vom Arzt oder auch von der Patientin selbst ausgefüllt werden. Es werden insgesamt elf verschiedene Beschwerdebilder unterschieden, die mit Punkten beurteilt werden, von „0 = keine Beschwerden“ über „1 = leichte“, „2 = mittlere“, „3 = starke“ bis „4 = sehr starke“ Beschwerden.

Die elf Beschwerdebilder setzen sich wie folgt zusammen:

  • Wallungen, Schwitzen (aufsteigende Hitze, Schweißausbrüche)
  • Herzbeschwerden (Herzklopfen, Herzrasen, Herzstolpern, Herzbeklemmungen)
  • Schlafstörungen (Einschlafstörungen, Durchschlafstörungen, zu frühes Aufwachen)
  • Depressive Verstimmung (Mutlosigkeit, Traurigkeit, Weinerlichkeit, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen)
  • Reizbarkeit (Nervosität, innere Anspannung, Aggressivität)
  • Ängstlichkeit (innere Unruhe, Panik)
  • Körperliche und geistige Erschöpfung (allgemeine Leistungsminderung, Gedächtnisminderung, Konzentrationsschwäche, Vergesslichkeit)
  • Sexualprobleme (Veränderung des sexuellen Verlangens, der sexuellen Betätigung und Befriedigung)
  • Harnwegsbeschwerden (Beschwerden beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, unwillkürlicher Harnabgang)
  • Trockenheit der Scheide (Trockenheitsgefühl oder Brennen der Scheide, Beschwerden beim Geschlechtsverkehr)
  • Gelenk- und Muskelbeschwerden (Schmerzen im Bereich der Gelenke, Rheuma-ähnliche Beschwerden).

Die MRS kann auch in der Forschung zu Rate gezogen werden, um die Wirksamkeit von Arzneimitteln zu analysieren. Interessanterweise wird ein direkter Zusammenhang zwischen der Höhe des ermittelten Wertes der MRS und der Lebensqualität der Frau beobachtet. Je höher der Wert auf der Skala ausfällt, desto stärker ist die Lebensqualität eingeschränkt.