Stimmungs-
schwankungen in den
Wechseljahren

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Stimmungsschwankungen gehören zum Leben. Kein Mensch ist sicher vor ihnen. Und trotzdem sind Frauen aufgrund des weiblichen Zyklus tendenziell erfahrener damit. Mit der Hormonumstellung in den Wechseljahren steigt die Wahrscheinlichkeit, gelegentlich von Stimmungsschwankungen, ungewöhnlicher Reizbarkeit bis hin zu Depressionen überrascht zu werden. Erfahren Sie, was Sie gegen Stimmungsschwankungen tun können und wie Sie in den Wechseljahren gelassen bleiben.

Stimmungsschwankungen: Zeichen für die Wechseljahre?

Stimmungsschwankungen sind typisch für die Wechseljahre. Gerade noch heiter, kann die gute Stimmung wie aus dem Nichts kippen und sich in Nachdenklichkeit, Angst, Gereiztheit oder gar Wutausbrüche verwandeln. Ein kritisches Wort der Kollegin, ein komischer Blick des Nachbarn oder keine Butter mehr im Kühlschrank – was uns normalerweise kalt lässt, kann in den Wechseljahren zur unkontrollierbaren Größe heranwachsen und die Psyche auf ungeahnte Weise aus der Bahn werfen. Manchmal merken wir das nicht einmal selbst, sondern unsere Partner, die Kinder oder Freunde fragen uns, warum wir plötzlich so unleidlich sind.

Viele Frauen erleben diese Wechselbäder der Gefühle in den Wechseljahren, die in der Regel im Alter zwischen 45 und 47 Jahren beginnen. Meist lösen sich diese Stimmungstiefs nach ein paar schlechten Tagen in Nichts auf und wir lernen außerdem, damit umzugehen. Trotzdem leiden einige Frauen an depressiven Verstimmungen oder entwickeln in der Zeit der Wechseljahre eine Depression – etwa auch in Verbindung mit anderen Wechseljahresbeschwerden wie hartnäckigen Schlafstörungen.

Gehen Sie bei starken Stimmungsschwankungen oder depressiven Zuständen, die über eine längere Zeit anhalten oder Ihnen diffus vorkommen, zu einem Arzt. Berichten Sie von Ihren Symptomen, Sorgen und Ihrem Alltag.

Unser Meno-Check hilft Ihnen, sich bestmöglich auf einen Termin vorzubereiten. Viele Therapiemöglichkeiten von Naturheilmitteln bis hin zur Hormonersatztherapie (HRT) helfen bei Stimmungsschwankungen und wackeliger Psyche in den Wechseljahren. Finden Sie gemeinsam mit Ihrem Gynäkologen oder Arzt heraus, welche Behandlung Ihre Stimmungsschwankungen oder depressiven Verstimmungen wirksam lindert.

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Stimmungsschwankungen oder Depression: Was ist der Unterschied?

Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen bis hin zu Depressionen sind in den Wechseljahren keine Seltenheit. Für die passende Therapie ist es wichtig, zu wissen, ob es sich „nur“ um Stimmungsschwankungen, eine durch die Kapriolen der Hormone verursachte depressive Phase oder vielleicht eine ernstere seelische Erkrankung mit anderen Ursachen handelt.

Stimmungsschwankungen

Stimmungsschwankungen in den Wechseljahren haben viele Gesichter, sie äußern sich bei jeder Frau anders. Die typischen Symptome sind:

  • Unruhe
  • Innere Anspannung
  • Unzufriedenheit
  • Erschöpfung
  • Nervosität
  • Launenhaftigkeit
  • Ängstlichkeit und Traurigkeit
  • Depressive Momente
  • Gereiztheit
  • Aggressivität

In der Regel erleben die von wechseljahresbedingten Stimmungsschwankungen geplagten Frauen auch immer wieder glückliche Momente, sind aber dem Auf-und-Ab zwischen guten wie schlechten Tagen stärker ausgesetzt als früher. Zusätzlich haben negative Impulse von außen oder unangenehme Erlebnisse mehr Macht, das seelische Gleichgewicht zu stören. Bei einer depressiven Phase, die länger als 14 Tage anhält, sprechen Mediziner von einer depressiven Verstimmung, die immer von einem Arzt abgeklärt werden sollte.

Depressive Verstimmung

Depressive Verstimmungen oder depressive Episoden sind charakteristisch für die Zeit der Wechseljahre. Sie treten bei sieben von zehn Frauen auf. Laut der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ des Robert Koch-Instituts leiden Frauen (11,6 Prozent) insgesamt häufiger an depressiven Verstimmungen als Männer mit 8,6 Prozent. Die Altersgruppe zwischen 18 und 29 Jahren ist mit 16,4 Prozent am stärksten betroffen, gefolgt von Frauen zwischen 45 und 64 Jahren mit 11,9 Prozent.

Die Symptome einer depressiven Verstimmung ähneln denen von Stimmungsschwankungen. Mit dem Unterschied, dass eine depressive Verstimmung länger anhält, aber auch wieder vergeht. Im Unterschied zu einer Depression ist es bei depressiven Verstimmungen möglich, den Alltag sowohl beruflich als auch privat zu meistern. Dennoch: Wenn die Symptome Sie belasten oder länger als zwei Wochen anhalten, kontaktieren Sie einen Arzt.

Depressionen

Depressionen sind eine ernst zu nehmende Erkrankung. Für die Betroffenen hüllt sich die Welt in einen dunklen Schleier, Job und Alltag stellen ohne Hilfe eine unüberwindbare Belastung dar. Im Laufe eines Lebens erkranken zwischen 16 und 20 Menschen von 100 an einer Depression, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Die WHO geht davon aus, dass es bis zum Jahr 2030 weltweit mehr Depressionen geben wird als Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Eine Depression kann sich in folgenden Symptomen äußern:

  • Antriebs- und Mutlosigkeit
  • Leere und Hoffnungslosigkeit
  • Verzweiflung
  •  Interessenlosigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Müdigkeit und Schlafstörungen
  • Negative Selbstwahrnehmung
  • Unspezifische Schmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Verlust der Libido

Sprichwörtlich fehlt bei einer Depression der Appetit auf das Leben. Ob eine Depression durch die Wechseljahre verursacht wird oder andere Gründe dahinterstecken, muss unbedingt von einem Arzt abgeklärt werden. Von der korrekten Diagnose hängt auch die Therapie ab. Sind die Hormone im Gleichgewicht, wirkt eine Therapie mit Antidepressiva. Liegt hingegen ein Hormonmangel vor, kann die Hormonersatztherapie helfen. Bei schweren Depressionen auch in Kombination mit einem Antidepressivum.

Tour de France der Hormone – Bergetappen für die Psyche: Ursachen für depressive Verstimmungen rund um die Menopause?

Fakt ist: Unser psychisches Wohlbefinden hängt eng mit den Hormonen zusammen. Auslöser für Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmungen in den Wechseljahren sind in erster Linie die Sexualhormone Östrogen und das Gestagen Progesteron.

Das an sich ausgeglichene Verhältnis von Östrogen und Progesteron gerät zu Beginn der Wechseljahre ins Wanken. In der ersten Phase der Wechseljahre, der sogenannten Prämenopause (zwischen 45 und 47 Jahren), sinkt der Progesteronspiegel. In der zweiten Phase, der Perimenopause (mit circa 50 Jahren), folgt der Östrogenspiegel auf dem Fuß. Zum Zeitpunkt der letzten Periode, der eigentlichen Menopause, erreichen Östrogen und Progesteron schließlich den Tiefpunkt.

Regelmäßig am Limit

Die meisten Frauen kennen das: Kurz vor der Regelblutung werden wir zu echten Krawallbürsten oder Mimosen. Eigentlich ein guter Zeitpunkt, mit einigen Dingen klar Schiff zu machen – denken wir dann. Aber Vorsicht: Der Grund für die ungewöhnliche Gemütslage ist ein niedriger Östrogenspiegel – im Zyklusverlauf der niedrigste, mit der Konsequenz, dass die Stimmung ohne triftigen Grund in die Tiefsee abtaucht.

Da beide Hormone an neuronalen Prozessen beteiligt sind, wirkt ihre abnehmende Konzentration auch auf die Psyche. Östrogene wie Estradiol oder Estron sorgen beispielsweise für positive Stimmung, Vitalität und sexuelle Lust. Progesteron hingegen gleicht uns aus, bringt Ruhe und Entspanntheit. Beinahe logisch, dass die hormonelle Imbalance aus starken Frauen plötzlich reizbare Nervenbündel macht oder sich andere Wechseljahresbeschwerden wie Zyklusschwankungen, Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Gelenkschmerzen bemerkbar machen.

Östrogene unterstützen außerdem den Serotonin– und Dopamin-Stoffwechsel. Bekannt als Glückshormon steuert Serotonin essenzielle kognitive Prozesse, wie die Vernetzung und Kommunikation der Synapsen. Es federt Stress ab, reduziert Ängstlichkeit und wirkt aktivierend. Vereinfacht gesagt: Geht das Östrogen in die Knie, macht auch das Serotonin schlapp. Die Folge: weniger Antrieb oder Gemütsschwankungen.

Neben den hormonellen sorgen die emotionalen Herausforderungen der Wechseljahre leicht für Melancholie. Allein die Tatsache, dass mit dem Klimakterium die Zeit der Fruchtbarkeit endet, belastet viele Frauen. Sie erleben sich als unattraktiv und der gesellschaftlich kultivierte Jugend- und Optimierungsglaube erschwert eine positive Haltung zu den naturbedingten Veränderungen des weiblichen Körpers zusätzlich.

Noch dazu sind die Kinder selbstständig, die Karriere ist vollbracht, die eigenen Eltern werden alt und die Zukunft verlangt nach neuen Plänen. Zu allem Übel meldet auch der Körper an, dass er schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Wohin also? Kein Wunder, dass viele Frauen ins Grübeln kommen und der gelegentliche innere Rückzug sogar eine Möglichkeit darstellt, die großen Veränderungen zu verdauen. Biographische Ereignisse beeinflussen unsere Psyche zu jeder Zeit – nicht nur in den Wechseljahren.

Andere Ursachen für gravierende Stimmungsschwankungen oder Depressionen sind genetische Dispositionen, hervorbrechende Traumata aus der Kindheit, Krankheiten, längere Schlafstörungen, Nebenwirkungen von Medikamenten oder zu viel Alkohol.

Dauern die Stimmungsschwankungen die gesamten Wechseljahre an?

In den Wechseljahren können depressive Episoden vermehrt vorkommen, da hormonelle Schwankungen das Auftreten von Depressionen oder Stimmungsschwankungen generell begünstigen – allerdings in jeder Lebensphase.

Der fallende Kurs von Östrogen und Progesteron fördert weinerliche Zustände, spontanen Stimmungsabfall oder emotionale Kurzschlüsse. Stimmungsschwankungen können in den Wechseljahren in jeder Phase entstehen – aber eben auch in der Zeit davor oder danach.

Studien haben gezeigt, dass sich Wechseljahresbeschwerden durchschnittlich 7,4 Jahre hinziehen. Und weiterhin, dass die Beschwerden desto länger andauern, je früher sie im Verlauf der Wechseljahre beginnen. Zeigen sie sich beispielsweise schon in der frühesten Phase, der Prämenopause, dauern sie im Schnitt 11,8 Jahre. Doch keine Panik: Keine Beschwerde hält sich am Stück, sondern zeigt sich gelegentlich und außerdem helfen verschiedene Mittel und Therapien.

Raus aus dem Tief: Hilfe und Therapie bei Verstimmungen & Gefühlschaos im Klimakterium

Sowohl pflanzliche Wirkstoffe als auch homöopathische Mittel können Stimmungsschwankungen oder sogar depressive Verstimmungen mildern. Doch auch hier gilt: Therapieren Sie sich nicht in Eigenregie. Denn auch die sogenannten natürlichen Heilmittel können Nebenwirkungen haben und müssen darüber hinaus in einer wirksamen Dosis eingenommen werden, damit sie helfen.

Ein gut erforschter und verlässlicher Stimmungsaufheller aus der Pflanzenmedizin ist Johanniskraut. Baldrian, Hopfen und Passionsblume gelten hingegen als beruhigend. Für manche Frauen ist ein Kombinations-Präparat ideal. Bevorzugen Sie Heilmittel aus der Apotheke – sie haben höhere Wirkstoffkonzentrationen. Lassen Sie sich dazu von einem Arzt oder Apotheker beraten. Einige Therapeuten oder Heilpraktiker raten bei Stimmungsschwankungen auch zu homöopathischen Globuli.

Auch Probiotika gewinnen an Bedeutung bei der Behandlung von Stimmungsschwankungen – denn die Forschung weiß immer mehr über das versteckte Gehirn im Darm. Darmbakterien können helfen, die Dopaminproduktion anzukurbeln und die Stimmung positiv beeinflussen.
Die Hormonersatztherapie (HRT) mit Östrogen- und Gestagen-Präparaten lindert nachweislich wechseljahresbedingte Beschwerden wie Stimmungsschwankungen. Die Mechanik ist gut nachvollziehbar: Mit der Gabe bioidentischer Hormone (Hormone, die den körpereigenen identisch sind) wird der Mangel ausgeglichen und auf diese Weise werden auch andere Wechseljahresbeschwerden reduziert.

Die Hormonersatztherapie ist die am besten erforschte Therapie. Sie gilt als äußerst wirksam und hat außerdem einen präventiven Zusatznutzen gegen Osteoporose oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Spektrum der Hormon-Präparate reicht vom Spray, über das Gel und die Creme bis hin zum Pflaster. Die Dosen werden nach gründlicher Anamnese durch einen Arzt individuell eingestellt und auch kontrolliert. Wägen Sie das Ja oder Nein mit Ihrem behandelnden Arzt ab.

Achten Sie darüber hinaus immer auf viel Bewegung im Freien. Als Endorphin-Kick wirkt Sport Wunder bei Gemütschaos. Mit regelmäßigen Aktivitäten an der frischen Luft erhalten Sie auch Ihren Vitamin-D-Spiegel. Das Sonnenvitamin heitert unsere Stimmung auf, stabilisiert das Immunsystem und fördert die Aufnahme von Kalzium in den Knochen – eine präventive Eigenschaft gegen Osteoporose.

Stimmungsschwankungen: selbstsicher und sonnig durch die Wechseljahre

Ob in den Wechseljahren Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmungen auftreten, hängt auch mit Ihrer Haltung zum Leben und Ihrem Lebensstil zusammen. Stehen Sie trotz gesellschaftlich behäbiger Strukturen zu Ihrer Weiblichkeit. Die Wechseljahre gehören einfach dazu. Basta! Keine Frau auf der Welt kommt darum herum. Gehen Sie selbstbewusst mit den Veränderungen Ihres Körpers um und helfen Sie diesen Themen aus der Tabu-Zone.

Treiben Sie viel Sport, bewegen Sie sich, wann immer es möglich ist, achten Sie auf genügend Schlaf und eine gesunde Ernährung mit wenig raffiniertem Zucker, dafür vielen Vitaminen und ungesättigten Fettsäuren (Olivenöl) sowie Magnesium und Zink. Auch ein warmes Bad oder Saunagänge wirken beruhigend auf die Psyche.

Sorgen Sie für ein stabiles, loyales soziales Umfeld und vergessen Sie nicht, dass sich auch durch Humor und Gelassenheit einige Stürme in Luft auflösen. Gehen Sie mit starken Stimmungsschwankungen oder anderen Beschwerden zu einem Arzt. Sprechen Sie mit ihm über die besten Therapiemöglichkeiten, so dass Sie das Leben auch in den Wechseljahren gut gelaunt genießen können.

Mythos oder Fakt?

„Die Hormonersatztherapie macht anfällig für Schlaganfälle.“

Das ist ein Mythos. Diese Information geht auf die WHI-Studie aus 2002 zurück. In dieser wurden Frauen überwiegend erst sehr spät nach Eintreten der Beschwerden behandelt. Das Durchschnittsalter lag bei 63 Jahren. Nach Studiendaten ist die Anwendung von Östrogenen über die Haut in Kombination mit dem natürlichen Gelbkörperhormon Progesteron nicht mit einem erhöhten Risiko für Schlaganfälle verbunden.

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1 Soares, C.N. (2017). Depression and Menopause: Current Knowledge and Clinical Recommendations for a Critical Window. Psychiatr Clin North Am. 40(2):239–254.

2 Bromberger, J.T., et al. (2011). Mood and menopause: findings from the Study of Women’s Health Across the Nation (SWAN) over 10 years. Obstet Gynecol Clin North Am. 38(3):609–25.

3 Weber, M.T., et al. (2014). Cognition and mood in perimenopause: a systematic review and meta-analysis. J Steroid Biochem Mol Biol. 142:90–8.

4 Maki, P.M., et al.; Board of Trustees for The North American Menopause Society (NAMS) and the Women and Mood Disorders Task Force of the National Network of Depression Centers (2018). Guidelines for the evaluation and treatment of perimenopausal depression: summary and recommendations. Menopause. 25(10):1069–85.

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Dr. Helena Eversheim
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