Depressionen in den Wechseljahren

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Medizinisch geprüft von Martina Ehmen (Medical Advisor)

Die Wechseljahre führen zu großen Veränderungen im Leben einer Frau. Aufgrund starker hormoneller Schwankungen kommt auch die Psyche leichter aus dem Takt als gewöhnlich. Depressionen oder depressive Verstimmungen als Symptom der Wechseljahre sind nicht ungewöhnlich. Erfahre, wie du eine Depression von depressiven Verstimmungen unterscheiden kannst, was die Ursachen für Wechseljahresdepressionen sein können, wie du vorbeugen kannst und welche Behandlungen helfen können.

Depressionen: Zeichen für die Wechseljahre?

Ein sich ändernder Östrogenspiegel in den Wechseljahren sorgt für eine geringere Serotoninproduktion. Allerdings ist Serotonin ein wichtiges Hormon für eine positive Stimmung und den Antrieb. Seine geringere Produktion kann zu Stimmungsschwankungen, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit führen. Dahinter steckt dann aber nicht immer eine Depression oder depressive Verstimmung. Darüber hinaus kann ein Serotoninmangel zu verstärkter Empfindsamkeit und Ängstlichkeit führen. Nervosität, schnelle Reizbarkeit sowie Aggressivität können auftreten.

Unabhängig von den Wechseljahren erlebt jeder Mensch im Laufe seines Lebens kurze oder auch längere Episoden der emotionalen Niedergeschlagenheit. Zwar haben die Auslöser viele Gesichter, das Resultat ist jedoch fast immer gleich: Der Antrieb fehlt, berufliche Projekte fühlen sich unüberwindbar an, das private Glück scheint in unerreichbare Ferne zu rücken und selbst Kleinigkeiten wirken auf einmal riesig groß.

Glücklicherweise enden diese unschönen Phasen in der Regel früher oder später. So auch in den Wechseljahren. Zwischen den charakteristischen Stimmungstälern der Wechseljahre liegen immer auch emotionale Höhen und heitere Tage. Du solltest dich vom eigenen Gefühlschaos nicht allzu stark verunsichern lassen.

In einigen Fällen jedoch entwickeln Frauen in den Wechseljahren eine Depression oder eine depressive Verstimmung. Schuld daran sind in erster Linie die Hormone, allen voran das Östrogen. Das Östrogenlevel fällt im Verlauf der Wechseljahre drastisch und schlägt uns sprichwörtlich auf die Stimmung. Nicht ungewöhnlich sind Depressionen in den Wechseljahren auch im Zusammenhang mit starken Schlafstörungen, die ebenso hormonell bedingt sein können. Kommt der Schlaf über einen längeren Zeitraum zu kurz, leiden Psyche und Wohlbefinden und damit unsere Lebensqualität deutlich.

Frauen müssen in den Wechseljahren mit den Folgen der Umstellung der Hormone und den Auswirkungen auf den Körper – Umverteilung des Fettes, Gewichtszunahme, Veränderungen der Brustgröße oder -form – kämpfen. Auch dies kann zu Verstimmungen führen, aber nicht automatisch zu einer Depression.

Achte gut auf deinen Körper. Die genaue Beobachtung der Dauer und Stärke der Beschwerden gibt wesentliche Hinweise, ob es sich um Wechseljahresbeschwerden handelt oder um andere Erkrankungen.

Sprich offen über deine Sorgen und Beschwerden. Auch mit Freundinnen oder dem Partner bzw. der Partnerin. Denn noch immer verschweigen viele Frauen ihre Wechseljahresbeschwerden, da sie sie als gesellschaftliches Tabu empfinden.

Tipp:

Bei anhaltenden Beschwerden, wenn du dich depressiv fühlst, dich Traurigkeit lähmt, Ängste oder Reizbarkeit nicht beherrschbar sind oder wenn du Fragen hast, kontaktiere deine Ärztin oder deinen Arzt. Denn, ob eine Depression oder depressive Verstimmung vorliegt, sollte immer von einer Ärztin oder einem Arzt diagnostiziert werden. Nach Anamnese und Diagnostik kennt sie oder er die wirksamen Therapien ebenso so gut wie die Risiken einer falschen Behandlung. Unterlasse Selbstdiagnosen und wende auch nicht eigenmächtig Medikamente an. Auch wenn etliche Ratgeberseiten im Internet dazu verführen. Google und ChatGPT ersetzen kein professionelles Beratungsgespräch. Nimm Depressionen oder depressive Verstimmungen ernst. Ein Selbsttest kann eine erste Orientierung bei depressionsartigen Symptomen geben. Voraussetzung für eine fundierte Heilung ist jedoch die Abklärung durch eine Neurologin oder einen Neurologen oder auch eine Psychiaterin oder einen Psychiater. Sprich mit deiner behandelnden Ärztin oder deinem behandelnden Arzt. Sie oder er kann dich bei Bedarf an eine spezialisierte Fachärztin oder einen spezialisierten Facharzt überweisen.

Was ist eine Depression?

Stimmungsschwankungen, Trauer, Niedergeschlagenheit, Selbstzweifel, depressive Verstimmungen bis hin zu Depressionen sind in den Wechseljahren keine Seltenheit. Für die passende Therapie ist es wichtig zu wissen, ob es sich „nur“ um Stimmungsschwankungen, eine durch die Kapriolen der Hormone verursachte depressive Phase oder vielleicht eine ernstere seelische Erkrankung mit anderen Ursachen handelt.

Eine Depression ist eine ernste Erkrankung. Zwischen 16 und 20 Menschen von 100 erkranken im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Depression. Frauen doppelt so häufig wie Männer. Besonders in den letzten Jahren stiegen die Fälle weltweit drastisch. Die WHO schätzt, dass es bis 2030 mehr Depressionen als Herz-Kreislauf-Erkrankungen geben wird. Einen erheblichen Anteil daran haben auch gesellschaftliche und ökonomische Dynamiken sowie die ungesunde Lebensweise moderner Zivilgesellschaften.

Hinter einer Depression steckt meist ein komplexes Geflecht an Ursachen. Sie kann sich durch folgende Anzeichen bemerkbar machen:

  • Demotivation und Antriebslosigkeit
  • Hoffnungslosigkeit und Zukunftsängste
  • Allgemeine Erschöpfung
  • Unklare oder stärkere Ängste und Panik
  • Fehlendes Interesse an der eigenen Umwelt und den Mitmenschen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Schlafstörungen
  • Negatives Selbstbild
  • Diffuse Schmerzen
  • Appetitlosigkeit
  • Libidoverlust
  • Vernachlässigte Hygiene

Bei einer Depression verliert die Welt ihre Farben. Sie verschwindet hinter einem grauen Schleier. Für die Betroffenen ist jeder Schritt mühevoll, vor allem am Morgen. Der Job, die Pflege privater Kontakte oder auch einfache Wege – etwa zum Supermarkt – werden zur Belastung. Ob es sich bei den Symptomen tatsächlich um eine Depression handelt, muss immer von einer Ärztin oder einem Arzt abgeklärt werden. Ebenso, ob die Depression möglicherweise durch die Wechseljahre ausgelöst wurde.

Von der korrekten Diagnose hängt auch die Therapie ab. Sind die Hormone im Gleichgewicht, kann eine Therapie mit Antidepressiva sinnvoll sein. Liegt hingegen ein Hormonmangel vor, kann eine Hormonersatztherapie mit bioidentischen Hormonen helfen. Bei schweren Depressionen auch in Kombination mit einem Antidepressivum.

Tipp:

Halten deine depressiven Verstimmungen länger als zwei Wochen an, dann kann dies auf eine „echte“ Depression hinweisen und du solltest dann eine Ärztin oder einen Arzt kontaktieren.

Wann spricht man von depressiver Verstimmung oder depressiver Episode?

Depressive Verstimmungen bezeichnen vereinzelte Symptome einer Depression, die über einen kürzeren Zeitraum auftreten und einen geringeren Schweregrad aufweisen als die Symptome einer depressiven Episode. Sie sind typisch für die Zeit der Wechseljahre und können durch die hormonelle Umstellung bedingt sein. Depressive Episoden hingegen sind Teil einer „echten“ unipolaren Depression.

Bestimmte Anzeichen sprechen dafür, dass eine Depression vorliegt und nicht nur eine vorübergehende Niedergeschlagenheit. Hauptsymptome sind zum einen eine gedrückte, depressive Stimmung über die meiste Zeit des Tages und fast jeden Tag sowie zum anderen geringes Interesse und Freude an Aktivitäten, die früher Spaß gemacht haben, beispielsweise Hobbys oder familiäre Unternehmungen. Weitere Zusatzsymptome sind Antriebsmangel und erhöhte Ermüdung, verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, Schuldgefühle, Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken, Schlafstörungen, Appetitmangel und Unruhe. Liegen mindestens 5 Symptome, darunter ein Hauptsymptom länger als 2 Wochen vor, kann dies zur Diagnose Depression führen. Je nach Intensität der Symptome unterscheiden die Fachleute zwischen leichter, mittelgradiger und schwerer Depression.

Beide Erkrankungen – Depression und depressive Verstimmung – können in jedem Alter auftreten und beeinträchtigen Betroffene in ihrer Lebensqualität, Entwicklung und Funktionalität. 7 von 10 Frauen erleben in den Jahren rund um die Menopause emotionale Einbrüche. Mit einer depressiven Verstimmung lässt sich der Alltag jedoch meistens noch bewältigen, wenn auch nicht in Hochstimmung. Echte Depressionen hingegen benötigen eine differenzierte psychiatrische Therapie.

Tipp:

Eine depressive Verstimmung (Dysthymie) von einer depressiven Episode im Rahmen einer Depression zu unterscheiden, ist eine ärztliche Aufgabe.

Warum treten in den Wechseljahren Depressionen oder depressive Verstimmungen auf?

Schuld an Depressionen oder depressiven Verstimmungen in den Wechseljahren sind oft die Hormone. Genauer gesagt, ihre radikalen Veränderungen. Am Ende der Pubertät pendeln sich die weiblichen Sexualhormone, d. h. die Östrogene und das Progesteron, bei den meisten Frauen auf ein harmonisches Level ein. Das bedeutet unter anderem: Regelmäßige Zyklen und ein gutes allgemeines Wohlbefinden – einmal abgesehen von mitunter unangenehmen PMS-Tagen (Prämenstruelles Syndrom mit komplexen körperlichen und emotionalen Beschwerden, 4 bis 14 Tage vor Einsetzen der Regelblutung).

Mit dem Beginn der Wechseljahre ändern sich die Hormonkonzentrationen – dies kann sich wie eine Art zweite Pubertät anfühlen. Den Anfang macht das Progesteron. Es fällt ab – zwar langsam, dafür aber stetig. Die Folge: In dieser Phase der Wechseljahre (in der Perimenopause) dominieren die Östrogene. Einige Frauen bemerken davon nichts, bei anderen wiederum wirkt sich das abnehmende Progesteron negativ aus. Denn normalerweise – vor den Wechseljahren – steuert Progesteron neben dem Aufbau der Gebärmutterschleimhaut oder der Erhaltung des Immunsystems auch psychische Funktionen. Es mildert emotionale Schwankungen ab, stabilisiert und kann auch resistenter gegen Stress machen. Fehlt Progesteron, gerät beispielsweise der Zyklus leichter ins Schwanken und die Stimmung kann schneller kippen. Zudem kann es zu Schlafstörungen kommen.

Rund um die Menopause setzen auch die Östrogene zum Sinkflug an. Während das Progesteron lockert, sorgen die Östrogene für die gute Stimmung. Bei einem ausgewogenen Östrogenlevel fühlen wir uns energiegeladen und haben sprichwörtlich Lust auf das Leben.

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Übersicht der Funktionen der Östrogene im Körper

Als wichtiges Sexualhormon stimuliert das Östrogen Estradiol unter anderem die Reifung der Eizellen. Es übernimmt den Transport einer befruchteten Eizelle zur Gebärmutter und beschert Haut oder Schleimhäuten ausreichend Feuchtigkeit. Und noch etwas: Östrogene, besonders das Estradiol, greifen auch in den Serotonin- und Dopamin-Stoffwechsel ein. So beeinflusst Estradiol unter anderem die Verfügbarkeit des Glückshormons Serotonin. Fällt der Östrogenspiegel, bleibt der Eisprung aus, Haut und Schleimhäute trocknen aus, Antriebslosigkeit kann sich einstellen.

Zur Menopause, dem Zeitpunkt der letzten Periode, erreichen Östrogene und Progesteron ihren Tiefstand. Die Folge: Kein Eisprung, keine Regelblutung und kein Zyklus mehr. Vielen Frauen macht allein die Tatsache zu schaffen, nicht mehr fruchtbar zu sein.

Auf die Menopause folgt die Postmenopause. Hier pendeln sich die Hormone auf einem niedrigeren Niveau ein, bis sie schließlich zu einer neuen Stabilität gelangen. Auch in dieser Zeit können aufgrund des Hormonmangels noch Depressionen auftreten. Typisch für die Postmenopause sind außerdem Beschwerden wie Gelenkschmerzen, Libidoverlust sowie Haar- und Hautprobleme. Des Weiteren kann der Hormonmangel zu Langzeitfolgen, wie zum Beispiel Osteoporose führen.
Depressionen können auch andere Ursachen haben: genetische Veranlagungen, neuronale Störungen, psychosoziale Einflüsse, Umweltfaktoren oder biografische Ereignisse wie plötzliche Arbeitslosigkeit oder der Tod eines nahen Verwandten, zu viel Stress oder Überforderung, reaktivierte Traumata aus der Kindheit, Nebenwirkungen von Medikamenten, aber auch Krankheiten wie Stoffwechselstörungen.

Tipp:

Kontaktiere eine Ärztin oder einen Arzt, wenn du dich über eine längere Zeit depressiv fühlst oder du unter diffusen Ängsten leidest.

Wie hoch ist das Risiko für eine Wechseljahresdepression?

Jede Frau durchlebt die Wechseljahre. Allerdings leidet nicht jede Frau darunter und die Wechseljahre müssen nicht automatisch in einer Depression münden. Dennoch haben in der Zeit rund um die Menopause bis zu 50 % der Frauen ein höheres Risiko, eine Depression zu entwickeln als andere.

Die medizinische Forschung hat den Zusammenhang zwischen Depressionen und Hormonschwankungen eingehend untersucht. Das Ergebnis: Da Östrogene, wie das Estradiol, maßgeblich im Serotonin-Stoffwechsel mitmischen, ist ein ausgeglichener Östrogenspiegel entscheidend für unser Wohlbefinden und kann vor Depressionen schützen. Was das für unsere Stimmung in den Wechseljahren bedeutet, bringt eine einfache Formel auf den Punkt: Fehlen Östrogene, mangelt es auch am Glückshormon Serotonin und damit fehlt der guten Laune eine wichtige Grundlage.

Studien belegen, dass die Veränderungen des weiblichen Hormonhaushalts in den Jahren rund um die Menopause das Risiko für depressive Störungen signifikant erhöhen. Über die gesamte Zeit des Klimakteriums (bis zu 10 Jahre) weisen Frauen ein um ein etwa 2,5-fach-höheres Risiko für die Diagnose von depressiven Störungen auf als in den Jahren davor.

Andere Ergebnisse zeigen, dass Frauen, die früh ihre Menstruation bekommen oder die hormonell verhütet haben und Frauen, die erst verhältnismäßig spät in die Wechseljahre kamen, ein geringeres Risiko haben, an einer Depression zu erkranken.

Weiterhin scheinen Frauen, die unter Hitzewallungen oder Schweißausbrüchen litten, eher depressiv zu werden als Frauen, die keine dieser Symptome zeigten.

Die Ursachen für Depressionen sind verschieden und immer komplex. Medizinerinnen und Mediziner sprechen von einem multifaktoriellen Zusammenspiel. Das heißt, ein Grund allein, wie beispielsweise eine genetische Disposition, reicht nicht, um eine Depression auszulösen. Im ungünstigen Fall kommen mehrere Faktoren zusammen. Daher ist eine eingehende Diagnostik elementar für die Therapieentscheidung und für die Heilung.

Was hilft bei Depressionen und depressiven Verstimmungen in den Wechseljahren?

Das Spektrum der Therapiemöglichkeiten bei Depressionen und depressiven Verstimmungen in den Wechseljahren ist – natürlich in Abhängigkeit von der finalen Diagnose – groß. Zu möglichen Behandlungsoptionen zählen Antidepressiva, eine Hormonersatztherapie (HRT), Psycho- und Körpertherapien sowie der Einsatz von speziellem Licht, Sport, Kunst oder pflanzlichen Heilmitteln.

Bei genetischen, organischen oder biografisch bedingten Depressionen hilft in der Regel ein Antidepressivum – in einigen Fällen in Kombination mit einem schlaffördernden Medikament. Heilung auf lange Sicht ist meist von psychotherapeutischen Gesprächen und einem tieferen Verständnis der eigenen Geschichte begleitet.

Bei depressiven Verstimmungen aufgrund starker Hormonschwankungen kann eine HRT (z. B. mit bioidentischen Hormonen) in Betracht gezogen werden. Der Wirkansatz einer HRT ist einfach: Mit der Hormongabe erhält der Körper zurück, was ihm fehlt. Neben anderen Beschwerden wie Hitzewallungen oder Schlafstörungen kann sich bei den betroffenen Frauen auch die Gemütslage spürbar bessern. Ein weiterer Vorteil der HRT: ihr möglicher präventiver Zusatznutzen. So können die Hormone in diesem Fall nicht nur die Stimmung heben, sondern können gegebenenfalls zusätzlich einer Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einem Typ-2-Diabetes vorbeugen. Besprich das Pro und Contra einer HRT mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Weitere Tipps:

  • Nennenswert aus dem Bereich der Pflanzenheilkunde zur Behandlung leichter Depressionen oder zur Unterstützung anderer Therapien sind die beruhigenden und entspannenden Eigenschaften von Baldrian, Johanniskraut, Passionsblume oder Melisse. Bevorzuge Präparate aus der Apotheke und erkundige dich über mögliche Nebenwirkungen bzw. Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten – insbesondere bei Johanniskraut.
  • Auch weniger verbreitete Therapien mit Tanz, Musik oder Tieren können sich positiv auf die Gemütslage auswirken. Sie fördern das positive und selbstwirksame Erleben sowie die Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben. Und nicht zu vergessen ist die magische Kraft des Sports. Der euphorisierende Einfluss von Joggen, Schwimmen oder Yoga auf Körper und Psyche ist wissenschaftlich vielfach belegt.

Wie kann man Depressionen in den Wechseljahren wirksam vorbeugen?

Die negativen Einflüsse unserer „modernen“ Lebensweise spüren viele Menschen. Zu wenig Bewegung, falsche Ernährung, Überforderung im Job oder Arbeitslosigkeit, dazu wachsende Vereinsamung im städtischen Umfeld oder durch Mobilität von Familien. All das nagt nachweislich an der körperlichen und seelischen Gesundheit. Achte daher immer gut auf deine Bedürfnisse. Als Erwachsene tragen wir selbst die Verantwortung für die Erfüllung unserer Bedürfnisse. Dies gilt grundsätzlich und für Frauen in den Wechseljahren im Besonderen. Leichte depressive Verstimmungen während der Wechseljahre kann man im Alltag häufig selbst kontrollieren.

Ernähre dich gesund. Der Einfluss der Ernährung auf Psyche und Verhalten ist längst bekannt. Vermeide industriell produzierte Lebensmittel. Iss frisch, vitaminreich und bereite die Speisen mit ungesättigten Fetten und hochwertigen Ölen zu. Lasse Zucker möglichst weg. Interessant in diesem Kontext ist beispielsweise die Verbindung von Stress und falscher Ernährung. Überbordender Stress animiert uns zum Konsum von Süßigkeiten. Verständlicherweise sucht der Körper einen Rettungsring. Wir greifen zu Keksen und Schokolade. Aber statt uns zu helfen, begünstigen wir auf Dauer eine Unterversorgung im Gehirnstoffwechsel. Auch Vitamine sowie Mineralstoffe wie Vitamin D, B12 oder Magnesium stabilisieren unsere Psyche.

Bleibe aktiv. Bewege dich, so oft du kannst. Mache mindestens zweimal pro Woche Sport. Joggen, Schwimmen, Krafttraining oder Fahrradfahren setzen Endorphine frei. Yoga, Meditationen oder Entspannungstechniken wie autogenes Training helfen zu relaxen.

Sorge für ein positives Umfeld. Nicht jeder Mensch meint es gut. Doch statt sich von dieser Tatsache in die Flucht schlagen zu lassen, solltest du die Herausforderung annehmen. Wähle selbst, mit wem du gerne deine Zeit verbringst. Wer hört dir zu, wem liegt dein Wohlbefinden wirklich am Herzen, mit wem hast du Spaß und wer fördert deine Entwicklung? Spätestens zur Zeit der Wechseljahre ist deine Lebenserfahrung auf ein stattliches Maß herangewachsen und du kennst die Antworten.

Komm zu dir selbst. Nimm dir Zeit für dich, zum Beispiel durch Meditation, Atemübungen oder auch durch das Schreiben eines Glückstagebuchs.

Frage nach. Darüber hinaus gibt es homöopathische oder auch pflanzliche Produkte, die gegebenenfalls unterstützen können. Auch eine Akupunktur kann in einigen Fällen helfen.

Tipp:

Eine Depression in den Wechseljahren bedeutet für die Betroffenen und deren Umfeld eine starke Belastung. Je früher du professionelle Hilfe in Anspruch nimmst, desto besser für alle. Bei Stimmungsschwankungen kann es ratsam sein, den Hormonspiegel bestimmen zu lassen. Sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss bestimmter Hormone (u. a. Progesteron, Östrogene, Cortisol, Schilddrüsenhormone) können für ein seelisches Ungleichgewicht verantwortlich sein und gegebenenfalls durch die richtige hormonelle Einstellung behoben werden.