
Medizinisch geprüft von Martina Ehmen (Medical Advisor)
Veröffentlicht am 15. Februar 2026
Mit Beginn der Wechseljahre steigt das Risiko für verschiedene altersbedingte Erkrankungen wie Osteoporose, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes. Die Anwendung einer Hormonersatztherapie (engl.: Hormone Replacement Therapy = HRT) kann diese Risiken verringern.
Osteoporose
Während des ganzen Lebens wird die Knochensubstanz auf- und abgebaut. Der Auf- und Abbau dient der Erneuerung und dem Erhalt der Knochen. Bis zum 35. Lebensjahr liegt der Fokus auf dem Aufbau der Knochenmasse, die dann im höheren Alter langsam abnimmt. Diese Prozesse werden durch Hormone reguliert, dazu gehören vor allem Parathormon und Kalzitonin, die von der Schilddrüse bzw. Nebenschilddrüse gebildet werden. Diese Hormone regulieren sich gegenseitig, werden aber auch zusätzlich durch Östrogene gesteuert. Bei Frauen nimmt die Östrogenproduktion in den Wechseljahren aufgrund der nachlassenden Aktivität der Eierstöcke nach und nach ab, bis sie mit Eintritt der Menopause komplett erlischt. Damit verringert sich auch der östrogenbedingte Schutz der Knochensubstanz. Progesteron hat, in ausreichender Konzentration vorhanden, einen positiven Effekt auf den Knochenaufbau. Auch dieser Schutz sinkt in den Wechseljahren. Dadurch kann es bei Frauen in diesem Lebensstadium zu wesentlichen Veränderungen des Knochenstoffwechsels mit einem verstärkten Abbau der Knochenmasse (Knochenschwund) und der Knochendichte kommen. Damit steigt das Risiko für Knochenbrüche (Frakturen). Die Osteoporose ist eine schleichende Erkrankung. Sie verursacht erst Schmerzen und Beschwerden, wenn Frakturen und Bewegungseinschränkungen auftreten.
Eine HRT kann einem hormonmangelbedingten Knochenschwund (postmenopausale Osteoporose) vorbeugen. Eine Vielzahl an Studien konnte zeigen, dass die Anwendung von Östrogenen einen positiven Effekt auf die Knochendichte hat und auch die Anzahl von Knochenbrüchen (Frakturen) reduziert. So wurde in der Million-Frauen-Studie eine Verminderung der Frakturhäufigkeit um 25 % nach transdermaler Anwendung von Estradiol beobachtet. Auch die groß angelegte Women’s Health Initiative (WHI)-Studie zeigte, dass durch eine Östrogen-Gestagen-Behandlung bei einer Therapiedauer von durchschnittlich 5,6 Jahren die Häufigkeit von Knochenbrüchen um 24 % gesenkt wurde. Schon sehr geringe Hormonmengen reichen aus, um einen positiven Effekt auf den Knochenhaushalt zu bewirken.
Die Vorbeugung oder Behandlung der Osteoporose mittels einer HRT erfolgt in Deutschland in der Regel nur, wenn bei postmenopausalen Frauen Wechseljahresbeschwerden vorliegen bzw. ein hohes Risiko für Knochenbrüche besteht und eine Unverträglichkeit oder Gegenanzeige gegenüber anderen zur Osteoporoseprävention zugelassenen Medikamenten bekannt ist. Um einer Osteoporose vorzubeugen, gelten gemäß Leitlinienempfehlungen zudem regelmäßige körperliche Aktivitäten als effektive Maßnahme, da diese Muskelkraft und Koordination fördern. Zudem ist eine ausreichende Zufuhr von Kalzium über die Nahrung und die Versorgung mit Vitamin D essenziell. Das individuelle Osteoporose-Risiko lässt sich mittels der frei verfügbaren App des BVOU (Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie) berechnen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
In den postmenopausalen Jahren steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine Erkrankung des Herzens oder der Gefäße entwickelt sich meist langsam über einen längeren Zeitraum. Am Anfang sind nur minimale Veränderungen festzustellen, später bilden sich sogenannte atherosklerotische Plaques (Verkalkungen), die das Blutgefäß verengen können. An diesen Engstellen können sich Blutgerinnsel bilden und das Gefäß vollständig verschließen. Treten die Blutgerinnsel in den Herzkranzgefäßen auf, können sie einen Herzinfarkt verursachen. Sind Gefäße im Gehirn betroffen, kann dies einen Schlaganfall nach sich ziehen.
Es gibt eine ganze Reihe an Studien zum Einfluss der HRT auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So ist bekannt, dass Östrogene antiarteriosklerotische, vasodilatierende sowie antiischämische Wirkungen haben und das Lipidprofil positiv beeinflussen können. Ein frühzeitiger Beginn der HRT (vor einem Alter von 60 Jahren oder innerhalb zehn Jahren nach der letzten Regelblutung) bei herzgesunden Frauen kann einen positiven Effekt auf das Herz-Kreislauf-System haben. Ein negativer Effekt einer HRT ist unter anderem vom Gefäßzustand der Frau abhängig und bei vorgeschädigten Gefäßen ausgeprägter. Wird die Therapie begonnen, wenn sich bereits eine fortgeschrittene Atherosklerose entwickelt hat, können sich die positiven HRT-Wirkungen nicht mehr entfalten. Daher sprechen Expertinnen und Experten von einem günstigen Zeitfenster („Window of Opportunity“), in dem eine HRT begonnen werden sollte.
Nach heutigem Kenntnisstand weist adäquat dosiertes transdermal angewendetes (auf die Haut aufgetragenes) Estradiol bezüglich kardiovaskulärer Ereignisse ein günstigeres Sicherheitsprofil auf als die Einnahme Estradiol-haltiger Tabletten (u. a. bezüglich Schlaganfall, venöser Thromboembolie und Brustkrebsrisiko). Auch Gestagene können Einfluss auf die Gefäßgesundheit haben. Daher sollte, wenn möglich, ein gefäßneutrales Gestagen wie zum Beispiel natürliches Progesteron bevorzugt werden.
Typ-2-Diabetes
Diabetes ist eine Volkskrankheit. Laut den Daten des Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes aus den Jahren 2024 und 2025 sind aktuell mindestens 9,1 Millionen Menschen in Deutschland von Diabetes betroffen. Über 90 % sind an einem Typ-2-Diabetes erkrankt. Die Dunkelziffer der Diabetes-Betroffenen wird auf mindestens zwei Millionen Menschen geschätzt.
Jedoch zeigen Studien, dass eine Hormonersatztherapie (HRT) das Risiko für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes verringern kann. Aber auch bei vorhandenem Typ-2-Diabetes kann die HRT positive Effekte zeigen, da sich durch die Behandlung mit Östrogenen in der Regel verschiedene Zucker- und Fettwerte verbessern.
Wechseljahre bei vorhandenem Diabetes
Frauen mit einem Diabetes mellitus (Typ 1 oder Typ 2) kommen häufiger früher in die Wechseljahre. Sie haben in den Wechseljahren erhöhte Risiken für Bluthochdruck, Arteriosklerose und Herzinfarkt oder auch Osteoporose. Zudem besteht die Gefahr, dass Beschwerden wie Herzrasen oder Schweißausbrüche als Unterzuckerung angesehen werden und nicht als Wechseljahresbeschwerden. Eine Folge: Frauen essen mehr und das Gewicht steigt.
Dickdarm- und Enddarmkrebs (Kolon- und Rektumkarzinom)
Darmkrebs ist weltweit der dritthäufigste Krebs. Circa jede achte Krebserkrankung in Deutschland betrifft den Dickdarm (Kolon) oder den Enddarm (Rektum). Insgesamt sind Männer dabei häufiger betroffen als Frauen. Die Inzidenzen steigen im Alter über 40 Jahre. Studien weisen darauf hin, dass die „weiblichen“ Sexualhormone, also Östrogene und Progesteron, dafür verantwortlich sind, dass Frauen seltener erkranken. Offenbar können sie das Risiko für die Entstehung eines Darmkrebses verringern. Dabei scheinen Östrogene durch die Aktivierung eines Signalwegs ein unkontrolliertes Wachstum von Darmzellen zu verhindern.
Da eine HRT den wechseljahresbedingten Östrogenmangel ausgleicht, kann laut mehrerer Studien sowohl eine Östrogenmonotherapie als auch eine kombinierte HRT das Dick- und Enddarmkrebsrisiko reduzieren. Weitere Daten weisen darauf hin, dass das Risiko für andere Krebsarten des Magen-Darm-Trakts ebenfalls reduziert sein kann. Dazu gehören beispielsweise Krebserkrankungen der Speiseröhre, des Magens oder auch der Leber.
Wichtig: Bei einem genetisch bedingten erhöhten Risiko für Dick- und Enddarmkrebs sollte eine HRT nur in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt erfolgen.
Demenz & Morbus Alzheimer
Es wird noch diskutiert, ob durch die hormonellen Veränderungen vor und nach der Menopause die kognitiven Fähigkeiten, wie z. B. Gedächtnisstörungen, Verwirrtheit oder eine mangelnde Aufmerksamkeit, tatsächlich beeinträchtigt werden. Vor allem das fortgeschrittene Lebensalter stellt einen Risikofaktor für die Entstehung einer Demenz dar. Eine Million Menschen über 65 Jahren leiden in Deutschland an dieser Erkrankung.
Ob eine HRT Demenzerkrankungen fördern kann oder eher verhindert, war lange Zeit unklar. In einer Teilanalyse der WHI-Studie über einen Zeitraum von 18 Jahren war das Sterberisiko aufgrund von Morbus Alzheimer oder anderer Demenzformen reduziert. Ergebnisse verschiedener Beobachtungsstudien weisen zusätzlich auf die Bedeutung des „frühen günstigen Zeitfensters“ hin: Durch den rechtzeitigen Einsatz einer HRT innerhalb dieses Zeitfensters wird das Demenzrisiko nicht erhöht; die frühe HRT scheint einen schützenden Effekt auf den Ausbruch eines Morbus Alzheimers und vaskulärer Demenzen zu haben. Dagegen scheint eine spät begonnene HRT bei Frauen über 65 Jahren wahrscheinlich aufgrund der bereits eingetretenen Gefäßveränderungen das Risiko einer Demenz zu erhöhen. Eine abschließende Beurteilung steht aber noch aus.
Reduzierte Lungenfunktion in den Wechseljahren
Neue Erkenntnisse zeigen, dass die Lungenfunktion bei Frauen in den Wechseljahren nachweisbar schneller als erwartet – über den altersbedingten Rückgang hinaus – abnimmt. Die Abnahme ist dabei nicht abhängig von anderen Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht. Erklärungsansätze sind, dass zum einen durch die gleichzeitig einsetzende Osteoporose die Höhe der Brustwirbel abnimmt und damit die Ausdehnung des Brustkorbs behindert wird. Zum anderen kann es durch die hormonellen Veränderungen zu Entzündungsmechanismen kommen, die auch die Lungenfunktion verändern können. Eine Studie zeigt zudem eine Altersabhängigkeit: Frauen mit früher Menopause (vor dem 45. Lebensjahr) hatten im Vergleich zu Frauen, deren Menopause zwischen dem 48. und 53. Lebensjahr lag, ein um 20 % erhöhtes Risiko für eine reduzierte Lungenfunktion. Die aktuelle Studienlage bestätigt, dass eine HRT bei Frauen in den Wechseljahren die Abnahme der Lungenfunktion verlangsamen bzw. aufhalten kann.


