Führen bioidentische Hormone zu einer Gewichtszunahme?

wechseljahre-verstehen.de | Hero Image: Bioidentische Hormone - Gewichtszunahme

Medizinisch geprüft von Martina Ehmen (Medical Advisor)

Viele Frauen bemerken in den Wechseljahren eine Zunahme ihres Körpergewichts. Die Angst vor einer weiteren Gewichtszunahme lässt sie oft auf eine Hormonersatztherapie verzichten. Diese kann jedoch dazu beitragen, Wechseljahresbeschwerden zu lindern und die Körperfettverteilung positiv zu beeinflussen. Erfahre, welchen Einfluss Hormone auf das Gewicht und die Körperzusammensetzung haben.

Fallbeispiel: 49-jährige Patientin mit Wechseljahres-Beschwerden

Eine 49-jährige Patientin sucht wegen verschiedener Beschwerden, die sie seit etwa einem Jahr hat, ärztlichen Rat. „Seit einiger Zeit ist mein Menstruationszyklus sehr unregelmäßig. Meine letzte Regelblutung hatte ich vor etwa drei Monaten. Seitdem leide ich unter verschiedenen Symptomen wie Hitzewallungen und Schlafstörungen. Ich wache nachts des Öfteren auf und habe dann Schwierigkeiten, wieder einzuschlafen.“ Weiterhin erzählt die Patientin, dass sie mit Stimmungsschwankungen zu kämpfen habe, insgesamt empfindlicher sei und in den letzten Jahren an Gewicht zugenommen habe. Die Patientin erkundigte sich bereits bei Freundinnen nach deren Erfahrungen und hörte von der Hormonersatztherapie (HRT).

Natürliche Ursachen der Gewichtszunahme

Die Ergebnisse der US-amerikanischen SWAN-Studie (Study of Women’s Health Across the Nation) deuten darauf hin, dass Frauen im mittleren Alter im Durchschnitt etwa 0,7 Kilogramm pro Jahr zunehmen. Auch bei Frauen ohne Gewichtszunahme verändert sich die Körperzusammensetzung: Statt an den Beinen und Hüften lagert sich das Körperfett nun vermehrt in der Bauchgegend ab.

Die Körperzusammensetzung und das Gewicht verändern sich in den Wechseljahren:

  • die Muskelmasse geht zurück
  • die Knochenmineraldichte nimmt ab
  • die körperliche Aktivität sinkt häufig
  • der Gesamtenergieverbrauch geht altersbedingt zurück
  • der Anteil an viszeralem Fett (Bauchfett) steigt
  • das Körpergewicht nimmt zu

Verschiedene weitere Studien zeigen, dass nicht die Menopause, sondern chronisches (kalendarisches) Altern sowie der Lebensstil die Hauptfaktoren für die Gewichtszunahme in der Lebensmitte sind. Hormonelle Veränderungen in der Perimenopause (Phase vor dem Einsetzen der Menopause) tragen allerdings wesentlich zu einer Veränderung der Körperfettverteilung sowie zu einem Verlust an fettfreier Masse (insbesondere Muskeln) bei.

Tipp:

Mit bioidentischen Hormonen können die Beschwerden einer nachlassenden Hormonproduktion auf natürliche Weise wieder ins Gleichgewicht gebracht werden – ohne eine Gewichtszunahme. Die Sorge vieler Patientinnen, durch eine HRT noch weiter an Gewicht zuzunehmen, kann durch keine Studie bestätigt werden.

Die Rolle der Hormone in den Wechseljahren

Hormone steuern alles, was sich in unserem Körper abspielt. Viele Symptome (darunter auch eine Gewichtszunahme am Bauch) und Funktionsstörungen in den Wechseljahren können Folge eines hormonellen Ungleichgewichts zwischen Estradiol, Progesteron und Testosteron sein.

Estradiol

In der Perimenopause schwankt die Estradiolproduktion in den Eierstöcken stark, sinkt aber insgesamt kontinuierlich. Wenn der Estradiolspiegel sinkt, wächst das viszerale Fettgewebe.

Gleichzeitig spielt Estradiol eine entscheidende Rolle für den Erhalt der Muskelmasse: Weniger Estradiol führt zu weniger Muskeln, was wiederum den Energieverbrauch senkt. Zudem ist es der „Schutzengel“ des Knochens, es hemmt den Knochenabbau. Darüber hinaus kann ein Estradiolmangel depressive Verstimmungen auslösen, was oft mit einer reduzierten körperlichen Aktivität einhergeht.

Progesteron

Die Progesteronproduktion lässt im Alter von 40–45 Jahren nach. Dieses Progesterondefizit kann in der Übergangszeit zu den Wechseljahren aus verschiedenen Gründen einen „Hormonbauch“ begünstigen.

Ein Progesteronmangel kann Schlafstörungen verursachen, die stressbedingt zu verstärktem Heißhunger führen können. Außerdem wirkt Progesteron beruhigend sowie angstlösend und hat vermutlich einen positiven Einfluss auf den Knochenaufbau (osteoanabol). Darüber hinaus kann ein Defizit an Progesteron zu einer Östrogendominanz führen, was wiederum zu einer Ansammlung von Wasser im Körper beitragen kann.

Testosteron

Auch Frauen benötigen Testosteron. Es steigert die Libido, die Leistungskraft und den Knochenstoffwechsel. Ein Ungleichgewicht zwischen Estradiol und Testosteron führt zu einer Ansammlung von Bauchfett. Was viele nicht wissen: Der Anteil von Testosteron im Blut ist sogar höher als der von Estradiol. Allerdings haben Frauen deutlich weniger Testosteron als Männer – bei ihnen ist der Testosteronspiegel zehn- bis zwanzigmal höher.

HRT

Sinken die oben genannten Hormone, dann lassen sich die Spiegel durch eine HRT wieder normalisieren. Laut nationalen und internationalen Leitlinien ist die HRT die wirksamste Therapie zur Behandlung verschiedener Wechseljahresbeschwerden.

Drei Tipps, um der Gewichtszunahme in den Wechseljahren entgegenzuwirken

Wenn du dein Körpergewicht in den Wechseljahren dauerhaft halten oder reduzieren möchtest, musst du bestimmte Gewohnheiten an die veränderten biochemischen Prozesse und den reduzierten Grundumsatz anpassen.

1. Hormonersatztherapie gegen Bauchfett

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass das Körpergewicht oder der BMI (Body-Mass-Index) durch eine (bioidentische) HRT zunimmt, zeigen Studien, dass dies nicht der Fall ist. Es spricht eher einiges dafür, dass die HRT der Umverteilung des Körperfetts in gefährliches Bauchfett entgegenwirkt.
Gleichzeitig gehen mit einer Hormonersatztherapie weitere positive Nebeneffekte einher, die auch einen Einfluss auf das Gewicht haben können:

  • Stabiles Gewicht durch geringeres Risko für Typ-2-Diabetes
  • Positive Effekte auf Schlaf und Stimmung, was stressreduzierend wirkt und deinen Antrieb zu körperlicher Aktivität erhöht
  • Erhaltung der Aktivität durch geringeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Hinweis:

Ob und in welcher Form eine HRT für dich persönlich geeignet ist, erfordert eine sorgfältige Abwägung und wird deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt mit dir besprechen. Weitere Informationen zu möglichen Anwendungsformen und Präparaten findest du im verlinkten Beitrag. Entscheidend ist, dass die Behandlung individuell auf dich ausgerichtet und ärztlich überwacht wird.

2. Stressreduktion und ausreichend Schlaf

Achte darauf, ausreichend Schlaf zu bekommen, um dich von den Belastungen des Alltags zu erholen und zu regenerieren. Schlafmangel, Stress und (starkes) Übergewicht sind eng miteinander verbunden. Durch Schlafmangel und/oder Dauerstress steigt der Cortisolspiegel, was zu Fetteinlagerung und Muskelabbau führen kann. Gleichzeitig sinkt der Insulinspiegel, die Blutzuckerwerte steigen. Zudem können Stimmungsschwankungen während der Perimenopause die Wahrnehmung von Stress negativ beeinflussen, was eine zusätzliche Gewichtszunahme begünstigt.

3. Balance zwischen Ernährung und Sport

Regelmäßige körperliche Aktivität einschließlich Krafttraining, das sowohl für den Knochenschutz als auch für den Muskelaufbau von Bedeutung ist, wirkt sich auf die Gewichtsentwicklung positiv aus – das ist hinreichend belegt. Es kommt zur Reduktion der Fettmasse, Abnahme des Taillenumfangs und Stabilisierung beziehungsweise Zunahme der Muskelmasse.

Daneben ist eine dem Grundumsatz entsprechende Ernährung eine wesentliche Grundlage für eine erfolgreiche Gewichtskontrolle. Wird mehr Energie verbraucht als über die Nahrung aufgenommen wurde, beginnt der Körper, seine Fettreserven zu verbrennen. Wird im Gegenzug mehr zu sich genommen als benötigt wird, dann steigt das Gewicht. Da der Gesamtenergieumsatz im Alter und durch hormonelle Veränderungen sinkt, sollte die tägliche Kalorienaufnahme entsprechend reduziert werden. Denn: Die Nahrungsmenge bzw. Kalorienanzahl, die man früher problemlos zu sich genommen hat, kann in den Wechseljahren zu einer Gewichtszunahme führen.

Der Ruheenergieumsatz sinkt laut DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) bei Frauen über 51 Jahren auf durchschnittlich 1.220 Kilokalorien (kcal), bei über 65 Jahren auf 1.180 kcal. Um dein Gewicht zu halten, solltest du daher deine Kalorien pro Tag im Blick haben. Um sicher, dauerhaft und nachhaltig abzunehmen, solltest du deine tägliche Kalorienzufuhr um etwa 500 kcal pro Tag oder 3.500 kcal pro Woche reduzieren. Trinke zudem ausreichend stilles Wasser oder ungesüßten Tee und achte auf eine mikronährstoff- und proteinreiche Ernährung, um dem Fettaufbau und Muskelabbau entgegenzuwirken. Am besten kombinierst du die Ernährungsumstellung mit regelmäßigem Ausdauer- und Krafttraining. Wenn du es schaffst, dich insgesamt im Alltag mehr zu bewegen beziehungsweise mehr Sport zu treiben, musst du deine Kalorienzufuhr weniger stark senken, da du dann mehr Kalorien verbrennst.

Tipp:

Achte auf die kleinen Dinge in deinem Alltag, die dein hormonelles Gleichgewicht beeinflussen können. Selbst geringfügige Anpassungen in deiner Ernährung, deinem Schlafmuster oder deiner Bewegungsroutine können einen positiven Effekt auf dein Gewicht haben und deine Wechseljahresbeschwerden lindern.

HRT: Hormone und Gewicht im Einklang

Insgesamt sind viele Faktoren an der Gewichtsproblematik in der Peri- und Postmenopause beteiligt. Aber entgegen dem weit verbreiteten Glauben ist eine (bioidentische) Hormonersatztherapie in den Wechseljahren nicht mit einer Gewichtszunahme verbunden.

Die Anwendung von (bioidentischen) Hormonen bei Wechseljahresbeschwerden hat neben der positiven Wirkung auf die Beschwerden einen neutralen oder möglicherweise sogar positiven Effekt auf das Gewicht.