
Medizinisch geprüft von Martina Ehmen (Medical Advisor)
Veröffentlicht am 15. Februar 2026
Das Herz rast, der Puls beschleunigt sich blitzartig – in den Wechseljahren leiden viele Frauen unter Herzrasen, Herzstolpern oder hohem Puls. Ärztinnen und Ärzte vermuten die größeren hormonellen Umstellungen hinter diesem typischen Wechseljahressymptom. Lies, wann du starkes Herzklopfen ernst nehmen solltest, was Herzrasen mit Hitzewallungen zu tun hat und wie du dein Herz in den Wechseljahren stärken kannst.
Herzrasen: Ein Symptom der Wechseljahre?
Tagsüber bei der Arbeit, beim Einkaufen oder sogar in Ruhe auf dem Sofa: plötzlich beschleunigt sich dein Puls von null auf hundert und das Herz überschlägt sich. Dein Ruhepuls ist plötzlich bei über 100 Schlägen/Minute. Hoher Puls, Herzrasen oder Herzklopfen in den Wechseljahren sind häufig ein Symptom der immensen hormonellen Umstellungen, die sich über Jahre und über verschiedene Wechseljahresphasen hinziehen. Wie auch andere Wechseljahrbeschwerden, so tritt Herzrasen (beschleunigter Herzschlag, Tachykardie) nur gelegentlich auf und auch nicht jede Frau ist betroffen. Herzrasen in den Wechseljahren sind typisch zu Beginn (Perimenopause) oder am Ende der Wechseljahre (Postmenopause).
Was ist ein normaler Puls?
Der Puls verrät, mit welcher Geschwindigkeit dein Herz das Blut durch unseren Körper pumpt. Normal für Erwachsene ist ein Ruhepuls zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute. Bei älteren Kindern und Jugendlichen sind es zwischen 80 und 100 Schläge pro Minute und bei Kleinkindern sind sogar 100 bis 120 Schläge pro Minute normal. Der Puls wird im Sitzen oder Liegen, also in Ruhe gemessen – daher der Begriff „Ruhepuls“. Wissenschaftlich „genormt“ ist der Puls pro Minute. Die einfachste Methode, den Puls ohne großartiges Gerät festzustellen, ist die Messung an der Arterie des inneren Handgelenks. Einfach zwei oder drei Finger unterhalb des Daumenballens platzieren und 30 Sekunden lang die fühlbaren Schläge zählen. Das Ergebnis mal zwei ergibt den Puls pro Minute. Der Puls kann je nach Wetter oder Tageszeit, aber auch abhängig vom Geschlecht schwanken. Er kann natürlich bei sportlicher Aktivität oder Aufregung beschleunigt sein. Sportler und Sportlerinnen haben häufig einen niedrigeren Ruhepuls. Ein Ruhepuls von über 100 bei Erwachsenen sollte immer von einer Ärztin oder einem Arzt abgeklärt werden.
Gehe mit einem hohen Puls, starkem Herzrasen, Herzklopfen oder Herzstolpern zu deiner Hausärztin bzw. deinem Hausarzt oder in eine internistische bzw. kardiologische Facharztpraxis. Die Symptome können viele Ursachen haben – sie können bei Bluthochdruck, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Rhythmusstörungen, Herzschwäche oder auch bei Schilddrüsenüberfunktion auftreten. Über eine passende Diagnostik können die Beschwerden differenziert und mögliche Krankheiten ausgeschlossen werden, sodass du beruhigt sein kannst.
Wenn du die Wechseljahre als Ursache für das Herzrasen im Verdacht hast, helfen die detaillierten Fragen in unserem Meno-Check für eine gute Vorbereitung auf den Arzttermin. Oder du nutzt die Checkliste bei Herzrasen der Deutschen Herzstiftung.
Ist Herzrasen in den Wechseljahren typisch?
Während der Wechseljahre leiden bis zu 40 % aller Frauen unter Herzbeschwerden. Das Herzrasen ist meist eine Begleitung der Hitzewallungen. Die medizinische Forschung vermutet hinter den Schweißausbrüchen während der Wechseljahre (Peri- und Postmenopause) eine Fehlfunktion des vegetativen Nervensystems aufgrund der hormonellen Umstellungen von Estradiol und Progesteron. Denn neben ihrer wichtigsten Funktion als Sexualhormone haben Estradiol und Progesteron zusätzlich „Nebenjobs“ als Botenstoffe. Aufgrund der Veränderungen der Hormonspiegel während der Wechseljahre weiß das Gehirn plötzlich nicht, wie es „richtig“ reagieren soll. Es will sich anpassen, löst aber unglücklicherweise eine fehlerhafte Aktion aus, indem es Wärme abgeben möchte und die Blutgefäße weitet. Damit verteilen sich schlagartig größere Mengen Blut im Körper und der Blutdruck steigt. Die unangenehme Folge für viele Frauen: ein mächtiger Hitzeschub und Herzrasen.

Verursacht ein Ungleichgewicht der Hormone einen hohen Puls und Bluthochdruck?
Vor den Wechseljahren leiden Frauen seltener als gleichaltrige Männer an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Grund: Östrogene und Progesteron in ausreichender Höhe „schützen“ vor sogenannten kardiovaskulären Erkrankungen, unter anderem durch ihren günstigen Einfluss auf die Blutfette. Nach der Menopause steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auch für Frauen stark an. Ein hoher Blutdruck schleicht sich meist unbemerkt ein, belastet aber auf Dauer Herz und Blutgefäße. Messe daher regelmäßig deinen Blutdruck und informiere dich über die empfohlenen Werte. Eine gute Orientierung bietet eine Blutdrucktabelle, zum Beispiel in dem Patientenleitfaden der Deutschen Hochdruckliga e. V.
Welche Blutdruckwerte sind normal?
Optimal ist der Blutdruck, wenn der obere sog. systolische Wert unter 120 mmHg liegt und der untere diastolische Wert kleiner als 80 mmHg ist. Aber auch ein oberer Wert zwischen 120 und 129 mmHg und ein unterer Wert zwischen 80 und 84 mmHg können noch als normal angesehen werden. Bei Werten von mindestens 140/90 mmHg liegt ein zu behandelnder Bluthochdruck vor.
Andere Ursachen für Herzrasen, übermäßiges Herzklopfen oder Herzstolpern können koronare Krankheiten, eine Schilddrüsenüberfunktion, ein Schockzustand nach schweren Verletzungen, Anämie (Blutarmut), Panikattacken, Nebenwirkungen von Medikamenten, Drogen- oder übermäßiger Alkoholkonsum sein. Lasse deine Symptome immer von einer Fachärztin bzw. einem Facharzt für Innere Medizin oder Kardiologie abklären.
Was kann man bei Herzrasen in den Wechseljahren tun?
Mit einer gesunden Ernährung kannst du für ausreichend Magnesium oder Kalium in deinem Blut sorgen. Beide Substanzen – in richtiger Dosierung – haben positive Effekte auf den Herzrhythmus. Effektive Kalium-Lieferanten sind Bananen, Kartoffeln oder Trockenobst. Viel Magnesium liefern Walnüsse, Mandeln, Vollkornprodukte, Naturreis oder dunkle Schokolade.
Aufgepasst mit Nahrungsergänzungsmitteln. Besprich die Einnahme immer mit einer Ärztin oder einem Arzt, denn ebenso wie ein Mangel kann auch eine Überversorgung gesundheitliche Probleme oder unerwünschte Nebenwirkungen auslösen.
Vermeide Nikotin, Alkohol, zu viel Kaffee bzw. Koffein, Stress und Übermüdung durch zu wenig Schlaf.
Auch eine Hormonersatztherapie (HRT) kann bei starken Wechseljahresbeschwerden wie Herzrasen oder Hitzewallungen unterstützen. Bei der Anwendung von bioidentischen Hormonen werden einem Körper genau die Hormone, die er nicht mehr in ausreichendem Maße selbst produziert, von außen zugeführt. Eine HRT in Form von zum Beispiel Tabletten, Gel, Spray oder Pflastern hat bei vielen Frauen in den Wechseljahren einen positiven Einfluss auf bestehende Beschwerden. Die zur Verfügung stehenden Präparate unterscheiden sich u. a. hinsichtlich der Applikationsform, Wirkdauer sowie der Hormondosis. Je nach Präparat lassen sie sich auch individuell dosieren. Art und Menge der Einnahme bzw. Anwendung wird deine Ärztin/dein Arzt mit dir besprechen.
Bei Herzrasen oder hohem Puls in den Wechseljahren ohne körperliche Ursachen können auch Heilpflanzen wie Weißdorn oder homöopathische Mittel hilfreich sein. Baldrian oder Traubensilberkerze können gegen Nervosität und Unruhe helfen. Die Einnahme solltest du aber mit deiner Ärztin/deinem Arzt besprechen.
Nicht immer stecken hinter einem Herzrasen ernste Ursachen, dennoch ist mit Herzensangelegenheiten nicht zu spaßen und kardiologische Beschwerden sollten immer ärztlich abgeklärt werden. Eine exakte Diagnose ist die Voraussetzung für eine wirksame Therapie und sie dient außerdem der psychischen Beruhigung. Gehe bei diffusem Herzrasen, starkem Herzklopfen oder Herzstolpern unbedingt zu einer Fachärztin bzw. einem Facharzt für Kardiologie oder Innere Medizin.
Fürsorge fürs Herz in den Wechseljahren – Wie geht das?
Eine gute Herzgesundheit sollte jedem Menschen in jedem Alter sprichwörtlich am Herzen liegen. In der Zeit um die Wechseljahre gewinnt die „Fürsorge“ für das Herz noch einmal neue Bedeutung. Einmal als Widerstand gegen natürliche Alterungsprozesse und um die nachlassende Schutzwirkung der abnehmenden Sexualhormonkonzentrationen aufzufangen.
Die Zauberformel der Prävention von Herzbeschwerden lautet: Sport plus gesunde Ernährung plus so wenig Stress wie möglich.
Moderater Sport mindestens zweimal die Woche wirkt sich auf das Herz langfristig positiv aus. Je nach Sportart kannst du u. a. deine Fitness sowie Ausdauer steigern, deinen Stoffwechsel verbessern, Muskelmasse aufbauen, deine Muskelkraft erhöhen und Übergewicht vermeiden. Wähle vorzugsweise gelenkschonende Sportarten wie Fahrradfahren, Nordic Walking oder Schwimmen sowie Krafttraining. Wenn du gerne joggst, achte auf deinen Laufstil und laufe nur schmerzfrei.
Tipp:
Schrittzähler, Fitnesstracker und Pulsmesser übernehmen nicht nur sinnvolle Kontrollfunktionen der Herzarbeit. Sie spornen außerdem an. Baue am besten zusätzlich flotte Spaziergänge und Bewegung in deinen Alltag ein – wann immer es möglich ist.
Eine ausgewogene Ernährung gelingt mit der sog. mediterranen Küche. Gemäß dem Motto „An apple a day keeps the doctor away!“ bilden Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Obst, Salate, Fisch und Meeresfrüchte sowie kaltgepresstes Olivenöl eine positive Grundlage. Stark verarbeitete Nahrungsmittel, Weißmehl und Zucker sollten möglichst vermieden werden. Bei Fleisch ist auf die Qualität zu achten, fettreiche Milchprodukte sollten nur in Maßen verzehrt werden. Zurückhaltung gilt auch für Genussmittel, wie z. B. Alkohol.
Neben zu wenig Bewegung und Übergewicht gelten weiterhin Stress oder dauernde Anspannung als wahre Herzkiller. Nicht umsonst lautet das Sprichwort „Das geht an die Substanz.“ Vermeide zu viel Druck oder negative Belastungen. Das gilt sowohl im privaten Umfeld als auch im Arbeitsleben. Sorge nach anstrengenden, aufreibenden Phasen, die sich nicht immer vermeiden lassen, für genug Erholung. Zu den wirksamsten Entspannungstechniken zählen Yoga, autogenes Training oder progressive Muskelentspannung. Achte auch auf ausreichend Schlaf.
Neben genügend Entspannung, einer ausgeglichenen und aktiven Lebensweise können eine Hormonersatztherapie, pflanzliche Heilmittel oder Kneipp-Wechselbäder starkes Herzrasen in den Wechseljahren, vor allem im Zusammenhang mit Hitzewallungen, lindern. Näheres dazu bespreche mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.


