
Medizinisch geprüft von Martina Ehmen (Medical Advisor)
Veröffentlicht am 15. Februar 2026
Gelenkschmerzen, Muskelabbau und Knochendichteverlust (Osteoporose) gehören mit ca. 70 % zu den häufigsten Beschwerden während der Wechseljahre. Die Ursache ist ein sinkender Östrogenspiegel. Finde heraus, warum Gelenk- und Muskelbeschwerden in den Wechseljahren nicht ungewöhnlich sind und wie du dennoch fit und mobil bleiben kannst.
Gelenk- und Muskelbeschwerden: Ermüdung oder Wechseljahre?
Neben Zyklusschwankungen, Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Herzklopfen zählen auch Gelenkschmerzen und Muskelbeschwerden zu den typischen Beschwerden während der Wechseljahre. Die abnehmende Funktion der Eierstöcke hat einen negativen Einfluss auf Gelenkes- und Muskelgewebe.
Schmerzen in den Finger-, Schulter- und Kniegelenken, aber auch diffuse Schmerzen überall sind nicht ungewöhnlich in den Wechseljahren. Gelenkschmerzen treten vor allem morgens nach dem Aufstehen auf, manche Bewegungen fühlen sich plötzlich unrund oder belastend an und die dadurch eingeschränkte Mobilität beeinflusst wiederum die Lebensqualität.
Gelenke sorgen für Stabilität und Beweglichkeit. Im Laufe unseres Lebens leisten sie harte Arbeit – jeden Tag und auch nachts. Sie tragen, kurbeln und federn uns durchs Leben, ebenso wie die Muskeln. In den Wechseljahren lässt ihre Geschmeidigkeit, Flexibilität und dämpfende Kraft nach. Das hängt einerseits mit Verschleiß und natürlichen Alterungsprozessen zusammen, andererseits mit gravierenden hormonellen Umschwüngen und dem sinkenden Östrogenspiegel.
Zudem nehmen Muskelmasse und Muskelkraft ab, sofern nicht aktiv entgegengewirkt wird. Frauen verlieren in den Wechseljahren circa 0,6 % ihrer Muskulatur pro Jahr. Auch dies ist bedingt durch die Abnahme von Estradiol, dem wichtigsten und wirksamsten Östrogen im weiblichen Körper.
Tipp:
Schmerzende Gelenke oder Muskeln können auch durch Rheuma, Arthrose oder andere Krankheiten hervorgerufen werden. Gehe daher bei Gelenkschmerzen immer zu einer Ärztin oder einem Arzt. Lasse deine Beschwerden abklären. Unser detaillierter Meno-Check unterstützt dich bei einer gut überlegten Vorbereitung auf deinen Termin bei deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Verursacht Östrogenmangel Gelenk- und Muskelbeschwerden?
Warum treten in den Wechseljahren Gelenkschmerzen, aber auch Muskelbeschwerden oder Schmerzen allgemein öfter auf als in den Jahren davor? Zwei Hauptschuldige sind zu nennen: Die Hormone und das Alter.
Die Hormone, also die Östrogene und das Gestagen Progesteron, befinden sich in den Wechseljahren regelrecht im Abwärtstrend. , der Perimenopause, die bei den meisten Frauen im Alter von ca. 45 Jahren beginnt, wird zunächst weniger Progesteron gebildet. Später nimmt auch die Estradiol-Produktion ab. Zudem schwankt die Hormonproduktion im Verlauf der Wechseljahre stark. Zum Zeitpunkt der allerletzten Regel, der sogenannten Menopause, gelangen beide Hormone am Tiefpunkt an.
Außerdem hält das Estradiol die Gelenke geschmeidig. Es unterstützt die Durchblutung und fördert die Flüssigkeitsversorgung der Gelenkhäute und besonders des Bindegewebes rund um die Gelenke. Eine geringe Estradiol-Konzentration bewirkt nun eine schlechtere Durchblutung sowie eine Unterversorgung mit Flüssigkeit in den Gelenkhäuten. Die Folge: Gelenke versteifen und werden unbeweglicher. Gelenkschmerzen nehmen zu und werden evtl. durch eine sinkende Schmerzgrenze verstärkt. Da Östrogene außerdem antientzündlich wirken, lässt durch ihr fallendes Level auch diese positive Eigenschaft deutlich nach. Dies kann die Entstehung einer Arthritis begünstigen.
Nicht zuletzt steigt mit fortschreitendem Alter die Wahrscheinlichkeit, Osteoporose (Knochendichteverlust), Arthrose (Gelenkverschleiß) oder entzündliche Gelenkerkrankungen wie Arthritis zu entwickeln – auch hier haben die Hormone ihre Hände im Spiel. Daher könnte im Umkehrschluss eine Hormonersatztherapie (HRT) den Verlust von Muskelmasse reduzieren sowie Muskelabbauprozesse und Entzündungen regulieren.
Für die älter werdenden Gelenke keine rosigen Aussichten – noch dazu haben Frauen ein höheres Risiko an Rheuma oder Arthrose zu erkranken als Männer.
Tipp:
Gelenk- oder Muskelbeschwerden in den Wechseljahren sind kein Naturgesetz. Manche Frauen bleiben davon verschont. Und es kann auch andere Gründe für Gelenkschmerzen geben: harte Stöße, bakterielle Infektionen wie Borreliose, Stoffwechselerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Vitaminmangel, Überbelastung durch zu viel Sport, falsche Bewegungen oder Haltungen, schwere Arbeiten bis hin zu extremem Stress oder Übergewicht. Frage daher bei Beschwerden deine Ärztin oder deinen Arzt.
Welche Gelenke und Muskeln zwicken im Klimakterium besonders?
Folgende Gelenke, Muskeln oder Muskelpartien zeigen sich in den Wechseljahren empfindlicher oder schmerzanfälliger als andere:
- Nacken
- Schultern
- Ellbogen
- Finger/Hände
- Rücken
- Hüfte
- Knie
Nicht immer ist klar, ob das schmerzende Gelenk auf Hormonumschwünge reagiert oder sich andere Ursachen wie Arthrose (Verschleiß), Arthritis oder andere rheumatische Erkrankungen dahinter verbergen. Bei der Arthrose fühlen sich die Gelenke meist am Morgen oder nach längeren Ruhezeiten steif und unbeweglich an und schmerzen vor allem bei Belastung. Bei der Arthritis hingegen treten typische Entzündungsbeschwerden auf, häufig Schmerzen in Ruhe und in der Nacht, welche sich durch Bewegung bessern. Schleimbeutelentzündungen, die Folge starker körperlicher Belastungen, chronischer Abnutzung durch das Alter oder rheumatischer Krankheiten, machen sich vordergründing in Hüfte, Ellenbogen, Kniegelenken oder Schulter bemerkbar.
Tipp:
Nicht immer ist eine klare Bestimmung möglich. Daher sind Selbstdiagnosen nicht empfehlenswert, auch wenn tausende Ratgeberseiten im Internet oder gutgemeinte Tipps von Freunden dazu verführen. Besser ist es, eine Ärztin oder einen Arzt zu kontaktieren. Denn nur mit einer gesicherten ärztlichen Diagnose kann die Wahl sinnvoller Therapieoptionen erfolgen.
Wann treten Gelenk- und Muskelbeschwerden in den Wechseljahren auf?
Gelenk- oder Muskelbeschwerden können in jeder Phase der Wechseljahre auftreten. Sowohl in der Perimenopause als auch in der Postmenopause. Eine gewisse Häufung dieser Beschwerden ist allerdings für die Zeit der Postmenopause typisch. Die Dauer der Gelenk- und Muskelbeschwerden ist unterschiedlich, kann aber durchaus Jahre andauern.
Was ist mit Arthrose, Arthritis und Osteoporose in den Wechseljahren?
Arthrose ist eine Verschleißerkrankung durch Rückbildung (Degeneration) des Gelenkknorpels. Die hormonelle Umstellung spielt eine Rolle. Es ist ein schleichender Umbauprozess über Jahre, der sich dann ganz plötzlich bemerkbar macht. Eine Arthrose ist die häufigste Ursache für Gelenkschmerzen. Über 50 % der Frauen in den Wechseljahren haben Gelenkschmerzen. Diese können in verschiedenen Gelenken auftreten. Besonders häufig betroffen durch die hormonelle Umstellung bei Frauen ist das Kniegelenk. Ein typisches Symptom für eine Arthrose ist die sogenannte Morgensteifigkeit und Schmerz bei Belastungen. Je früher man einer Arthrose den Riegel vorschiebt und sie therapiert, desto größer sind die Heilungschancen.
Arthritis ist der Begriff für eine Gelenksentzündung. Diese kann in Folge eines sinkenden Östrogenspiegels entstehen. Aber auch andere Erkrankungen können eine Gelenksentzündung auslösen: beispielsweise Rheuma, Gicht, bakterielle oder virale Infektionen (z.B. Borreliose oder Hepatitis B). Schmerzen durch Arthritis äußern sich bei Rheuma häufig in den Fingern, Händen, den Zehen oder im Bereich der Wirbelsäule von Hals und Hinterkopf. Gicht manifestiert sich zunächst am Grundgelenk des großen Zehs oder zeigt sich am Knie, dem Sprung-, Mittelfuß-, Hand- oder Fingergelenk. Charakteristisch für Arthritis sind geschwollene oder gerötete Gelenke, die sich außerdem heiß anfühlen können. Beschwerden treten sowohl bei Belastung als auch in Ruhe auf. Im Gegensatz dazu macht sich Arthrose nur unter Belastung bemerkbar.
Osteoporose ist ein häufiges, aber vielfach unterdiagnostiziertes Phänomen. Im Verlauf der Wechseljahre steigt die Wahrscheinlichkeit, an Osteoporose zu erkranken. Sie ist ein schleichender Prozess. Durch die stetig abnehmenden Östrogenspiegel nimmt die Knochendichte ab, der Knochen wird entmineralisiert und porös. Folgen können der Verlust an Körpergröße, Rückenschmerzen, eine gebeugte Haltung und die Gefahr für Knochenbrüche sein. Bereits kleine Verletzungen, scheinbar harmlose Stürze oder alltägliche Belastungen können zu Knochenbrüchen führen. Typische Beispiele sind Oberschenkelhalsbrüche, Hüft- und Beckenbrüche oder auch Handgelenksbrüche. Sogar sogenannte Spontanbrüche ohne Sturz oder Ähnliches sind möglich. Zwischen 30 bis 50 % aller Frauen erleiden im Verlauf des Lebens einen Bruch. Brüche durch Osteoporose sind nicht harmlos, da sie zu chronischen Schmerzen, Deformationen und Behinderungen führen können.
Eine Hormonersatztherapie (HRT) kann das Risiko Osteoporose-bedingter Brüche deutlich senken. Viele Studien belegen die positiven Effekte einer Östrogenanwendung auf die Knochendichte und damit verbunden eine geringere Anzahl von Knochenbrüchen. Die Ergebnisse einer großen US-Studie bei Frauen in den Wechseljahren zeigen, dass durch eine kombinierte HRT (Östrogen-Gestagen-Behandlung) über eine Dauer von durchschnittlich 5,2 Jahren das Risiko von Knochenbrüchen um 24 % gesenkt werden konnte. Bereits sehr geringe Östrogen-Mengen können einen positiven Effekt haben.
Tipp:
Alle drei Erkrankungen machen deutlich, dass in den Wechseljahren viel passiert und die hormonelle Umstellung langfristige Folgen haben kann. Dinge wie Bewegung, eine gesunde und ausgewogene Ernährung sowie die Einstellung des Hormonhaushaltes sind in dieser Lebensphase wichtige Faktoren.
Ciao Schmerzen! Was kann bei Gelenk- und Muskelbeschwerden in den Wechseljahren helfen?
Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen bzw. Muskelabbau sind weder eine unabwendbare Tatsache noch ein Urteil zur Bewegungslosigkeit. Zahlreiche Behandlungen können wirksam Schmerzen lindern. Mit einer gesunden Lebensweise, einer bewussten Ernährung, regelmäßigem Sport und Bewegung kannst du selbst dazu beitragen, die Beschwerden zu verringern oder dafür zu sorgen, dass sie gar nicht erst entstehen.
Auch entzündungshemmende Wirkstoffe aus dem Bereich der Pflanzenheilkunde können bei Gelenk- und Muskelschmerzen in den Wechseljahren helfen. Zu den häufig angewendeten Heilkräutern zählen Teufelskrallenwurzel, Arnika, Brennnessel oder Beinwell. Zudem können die kühlenden Eigenschaften von Pfefferminz- oder Rosmarinöl oftmals Linderung verschaffen. Ist das schmerzende Gelenk nicht entzündet und nicht geschwollen, hilft auch Wärme, die die verspannten Muskeln zusätzlich lockert. Bringe für die Behandlung mit den sogenannten sanften Therapien ausreichend Geduld mit.
Eine weitere Option zur Unterstützung des Bewegungsapparates kann eine HRT sein. Es gibt viele Varianten, z. B. Gele, Pflaster, Sprays oder Tabletten bzw. Kapseln. Die Dosierung stimmt deine Ärztin oder dein Arzt nach sorgfältiger Anamnese und Abwägung des Ja-oder-Nein individuell auf dich ab.
Tipp:
Vor der Einleitung einer HRT bei Gelenkbeschwerden sollten andere Ursachen immer ausgeschlossen werden. Häufig benötigt das erkrankte oder geplagte Gelenk etwas mehr Ruhe – allein dadurch lassen sich die Schmerzen ausschalten oder lindern. Außerdem kann Bewegung ohne Belastung wie beispielsweise Schwimmen helfen. Krankengymnastik, physikalische Therapie mit Wärme und Kälte sowie Elektro- und Ergotherapie kräftigen die Muskulatur und können die Beweglichkeit verbessern.
Wie bleibt man trotz Gelenk- und Muskelbeschwerden in den Wechseljahren mobil und vital?
Beschwerden oder auch Schmerzen im Bereich von Gelenken oder Muskeln lassen sich durch einen angepassten Lebensstil positiv beeinflussen. Je unbeschwerter sich Alltagsaktivitäten wie zum Beispiel Äpfel im Garten aufsammeln oder auch mit Kindern oder dem Hund toben anfühlen, desto besser. Trage selbst dazu bei, dass du bis ins hohe Alter fit und von Gelenk- oder Muskelschmerzen in den Wechseljahren verschont bleibst.
Treibe regelmäßig Sport. Am besten eignen sich gelenkschonende Sportarten wie Nordic Walking, Fahrradfahren, Yoga, Pilates, Muskelaufbau- und Krafttraining oder Schwimmen (Kraul- und Brustschwimmen). Gehe spazieren, auch wenn es regnet. Nimm die Treppe anstelle von Aufzug oder Rolltreppe. Integriere Gymnastik- oder Rückenübungen fest in deinem Alltag. Laufe eine oder zwei Haltestellen, statt zu fahren.
In Sachen Ernährung gilt: viel Gemüse, Vitamine und Mineralstoffe! Fettreiche tierische Lebensmittel wie Fleisch oder Wurst, aber auch Butter und Sahne können Beschwerden in den Gelenken zusätzlich befeuern, da tierische Fette entzündungsfördernde Enzyme aktivieren. Außerdem wichtig sind Kalzium, Omega-3-Fettsäuren und ein ausgewogenes Eisen- und Vitamin-D-Level. Hoch im Kurs steht außerdem das Gewürz Kurkuma wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung.
Plane Zeiten für Entspannung ein. Übe Achtsamkeit, mache Atemübungen, nimm dir Zeit zum Lesen und Hören von beruhigender Musik.
Achte auf:
- Bewusste Lebensführung
- Wenig Stress
- Ausreichend Schlaf
- Freundliche Haltung zum eigenen Körper und zu seelischen Bedürfnissen
- Normales Gewicht und vermeide Übergewicht
- Warme Kleidung im Herbst und Winter
- Genug Ausgleich bei Bürojobs oder langem Sitzen
- Ausreichende Entspannungszeiten
Mache dir immer wieder klar: Sich uneingeschränkt und ohne Schmerzen bewegen zu können, zählt unbestritten zu den angenehmen Seiten des Lebens. Bewegung und starke Muskeln sind das A und O für Lebensfreude und Mobilität bis ins hohe Alter.


