Vorteile und Risiken der Hormonersatztherapie

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Medizinisch geprüft von Martina Ehmen (Medical Advisor)

Eine Hormonersatztherapie kann Beschwerden während der Wechseljahre deutlich lindern und ist seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der medizinischen Behandlung. Gleichzeitig gibt es auch Risiken, die individuell abgewogen werden müssen. Umso wichtiger ist es, dass du die Möglichkeiten und Grenzen kennst, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Vorteile und Risiken der Hormonersatztherapie: das Wichtigste in Kürze

  • Eine Hormonersatztherapie kann Wechseljahresbeschwerden lindern.
  • Risiken einer Hormonersatztherapie hängen davon ab, welche Hormone (Mono- oder Kombinationstherapie), welche Art der Hormone (synthetisch oder bioidentisch) und der Dauer der HRT (mehr als 5 Jahre) ab. Abhängig von diesen Faktoren besteht u. a. ein leicht erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Thrombosen, Herzinfarkt und Schlaganfälle.
  • Ob eine HRT sinnvoll ist, hängt von Beschwerden, Alter, Vorerkrankungen und individuellen Bedürfnissen ab.
  • Die Entscheidung für oder gegen eine Hormonersatztherapie sollte immer gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt getroffen werden.

Warum Frauen sich mit den Vorteilen und Risiken der Hormonersatztherapie auseinandersetzen sollten

Die Hormonersatztherapie (HRT) gilt als wirksames Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden. Manche Frauen erleben zu Beginn der Behandlung zwar Begleiterscheinungen wie Brustspannen, Kopfschmerzen oder Zwischenblutungen. Diese sind jedoch meist vorübergehend und können durch eine Anpassung der Dosis oder der Darreichungsform gemildert werden.

In den vergangenen Jahren wurde viel über mögliche Risiken der Hormonersatztherapie gesprochen. Das solltest du im Vorfeld wissen:

  • Bei Frauen unter 60 Jahren ohne Vorerkrankungen überwiegt laut Fachgesellschaften klar der Nutzen einer HRT gegenüber den möglichen Risiken.
  • Östroge können das Risiko für Venenthrombosen oder Lungenembolien erhöhen. Das Risiko ist höher bei oraler Gabe als bei transdermaler Applikation. Eine Monotherapie ist nur erlaubt bei Frauen ohne Gebärmutter. Ansonsten steigt das Risiko für Gebärmutterkrebs (Endometriumkarzinom).
  • Transdermale Präparate wie Gele, Sprays oder Pflaster gelten als risikoärmer, besonders bei Frauen, die bereits Risikofaktoren wie Übergewicht oder Diabetes mellitus mitbringen.
  • Eine HRT kann mit synthetischen oder bioidentischen Hormonen erfolgen. Bioidentische Hormone werden aus pflanzlichen Vorstufen aus der Yamswurzel oder Sojabohnen hergestellt und entfalten dieselben Wirkungen wie die körpereigenen Hormone. Sie sind stoffwechselneutral und gelten daher als nebenwirkungsarm, bei gut belegter Wirksamkeit. Synthetische Hormone sind den körpereigenen ähnlich, aber nicht identisch. Das beeinflusst sowohl die Wirksamkeit als auch mögliche Nebenwirkungen.

Wichtig:

Bevor du eine Hormonersatztherapie beginnst, muss immer eine gründliche Abklärung erfolgen. Im Rahmen dessen prüft deine Ärztin oder dein Arzt, ob Risikofaktoren für bestimmte Krebsarten oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen.

Vorteile der Hormonersatztherapie

Frauen, die unter starken Beschwerden während der Wechseljahre leiden, können mit einer Hormonersatztherapie eine deutliche Verbesserung ihrer Beschwerden und damit der Lebensqualität erreichen. Doch die Vorteile reichen weit über die reine Symptomlinderung hinaus. Auch Knochen, Herz, Haut und manches mehr können positiv beeinflusst werden.

Linderung von häufigen Wechseljahresbeschwerden

Die Hormonersatztherapie gilt als wirksame Behandlung gegen typische Wechseljahresbeschwerden. Sie können deutlich abnehmen oder sogar vollständig verschwinden. Dadurch verbessert sich deine Schlafqualität, deine Energie kehrt zurück und auch die allgemeine Belastung durch die Wechseljahre wird spürbar geringer. Viele Frauen beschreiben, dass sie sich wieder ausgeglichener, gelassener und leistungsfähiger fühlen – sei es im Beruf, im Familienalltag, in der Partnerschaft oder bei körperlichen Aktivitäten wie Sport.

Diese Beschwerden kann eine Hormonersatztherapie besonders gut lindern:

Die Wirkung der Hormonersatztherapie reicht also über die reine Symptomkontrolle hinaus: Sie ermöglicht es dir, im Alltag wieder leistungsfähig zu sein und die Wechseljahre aktiv und selbstbestimmt zu gestalten.

Positive Effekte auf Herz, Haut und Haare

Östrogene spielen eine zentrale Rolle in vielen Bereichen deines Körpers. Sie beeinflussen nicht nur den Zyklus, sondern auch Herz, Haut und Haare.

In den postmenopausalen Jahren steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall, da die Gefäße an Elastizität verlieren. Ein frühzeitiger Beginn der HRT (im Alter vor 60 Jahren oder innerhalb von zehn Jahren nach der letzten Regelblutung) kann bei herzgesunden Frauen einen positiven Effekt auf die Gefäßwände und damit das Herz-Kreislauf-System haben.

Mit dem Absinken des Hormonspiegels in den Wechseljahren verliert auch die Haut an Spannkraft. Aufgrund des Östrogenmangels wird weniger Kollagen gebildet. Das Bindegewebe speichert weniger Feuchtigkeit. Und auch die Haare können durch die Hormonumstellung dünner werden, auch kann es zu Haarausfall kommen.

Mögliche Effekte der Hormonersatztherapie im Überblick:

  • Herz: positive Effekte auf Fettwerte im Blut und damit auf die Struktur der Gefäße (antiarteriosklerotisch)
  • Haut: glatter, besser durchfeuchtet, mehr Spannkraft
  • Haare: kräftiger, voller, weniger Haarausfall

Besonders wenn die Hormonersatztherapie früh in den Wechseljahren begonnen wird, können sich diese positiven Effekte deutlicher entfalten.

Aber Vorsicht: Wird die Therapie dagegen erst viele Jahre nach Eintritt der Menopause gestartet, können die Risiken höher sein als der Nutzen, weshalb auch hier eine individuelle ärztliche Beratung entscheidend ist.

Osteoporose und Knochenbrüchen vorbeugen

Mit dem Absinken des Östrogenspiegels in den Wechseljahren verändert sich auch der Knochenstoffwechsel. Der Körper baut mehr Knochensubstanz ab, als er aufbauen kann. Dadurch werden die Knochen poröser und das Risiko für Osteoporose und Knochenbrüche steigt.

Eine Hormonersatztherapie kann diesen Prozess verlangsamen, indem sie deine Knochen stärkt und den Abnahme deiner Knochendichte entgegenwirkt. Besonders Frauen mit einem erhöhten Osteoporoserisiko, etwa aufgrund familiärer Vorbelastung, Untergewicht oder früher Menopause, können profitieren.

Vorteile der HRT für die Knochengesundheit:

  • Stabilisierung des Knochenstoffwechsels
  • Erhalt der Knochendichte
  • Verringerung des Risikos für Osteoporose
  • Reduziertes Risiko vor Knochenbrüchen (nach Sturz oder auch spontan) im Alter

Wusstest du schon?

Osteoporose bleibt oft lange unbemerkt, bis es zu einem Knochenbruch kommt. Besonders häufig betroffen sind die Wirbelkörper, die Hüfte oder das Handgelenk. Eine frühzeitig begonnene HRT kann bei entsprechender Indikation unterstützen, das Risiko für Brüche deutlich zu reduzieren und die Beweglichkeit sowie Lebensqualität bis ins hohe Alter erhalten. Darüber hinaus gibt es aber speziell für die Osteoporose-Prävention zugelassene Medikamente. Besprich das Thema daher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Mehr Lebensqualität und seelische Stabilität

Schlafmangel, Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen können deinen Alltag stark einschränken. Mit einer Hormonersatztherapie können nicht nur deine körperlichen Beschwerden reduziert werden, sondern auch dein seelisches Gleichgewicht wieder ins Lot gebracht werden.

Mehr Energie am Tag, erholsamer Schlaf in der Nacht und eine ausgeglichenere Stimmung sorgen dafür, dass deine Lebensqualität spürbar steigt. Viele Frauen berichten, dass sie ihre Lebensfreude zurückgewinnen und diese Phase mit neuer Gelassenheit erleben können.

So zeigt sich:

Eine Hormonersatztherapie kann vor allem körperliche Beschwerden wirksam lindern. Viele Frauen fühlen sich dadurch insgesamt ausgeglichener.

Echte und vermeintliche Risiken der Hormonersatztherapie

Die Hormonersatztherapie bietet viele Vorteile, ist jedoch nicht frei von Risiken. Deshalb sollte sie immer individuell abgewogen und ärztlich begleitet werden. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Brustspannen, Kopfschmerzen oder Wassereinlagerungen. Allerdings können insbesondere Wassereinlagerungen bei manchen Frauen chronisch werden und so das Risiko für weitere gesundheitliche Probleme erhöhen. Darüber hinaus gibt es Risiken, die bei der Entscheidung sorgfältig berücksichtigt werden sollten.

Hormonersatztherapie und Brustkrebs

Zahlreiche Frauen zögern bei der Entscheidung für eine Hormonersatztherapie, weil sie befürchten, dass dadurch ihr Brustkrebsrisiko steigt. Brustkrebs ist zwar weit verbreitet (jede 8. Frau in Deutschland ist betroffen), doch dank Früherkennung und besserer Therapien verläuft die Erkrankung heute seltener tödlich als früher.

Grundsätzlich steigt das Brustkrebs-Risiko mit zunehmendem Alter, durch erbliche Veranlagungen und durch einen ungesunden Lebensstil. Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen oder regelmäßiger Alkoholkonsum haben dabei einen besonders starken Einfluss.

Wie stark die Hormonersatztherapie das Risiko beeinflusst, hängt von der Art der Behandlung ab. In der bekannten WHI-Studie aus den USA wurde bei Frauen, die über Jahre eine Kombination aus Stutenöstrogenen und einem synthetischen Gestagen einnahmen, ein leicht erhöhtes Risiko festgestellt. Allerdings betraf dies weniger als einen zusätzlichen Fall von Brustkrebs pro 1.000 Frauen und Jahr. Zudem waren die in der Studie eingeschlossenen Frauen mit durchschnittlich 63 Jahren bereits relativ alt für den Beginn einer Hormonersatztherapie und die eingesetzten Hormonpräparate waren deutlich höher dosiert als heute. Die damals in den USA verwendeten Hormonpräparate wurden außerdem in Europa kaum eingesetzt und werden auch heutzutage nur noch selten zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden verschrieben. Frauen ohne Gebärmutter, die nur die Stutenöstrogene ohne Gestagen anwendeten, hatten dagegen sogar ein geringeres Brustkrebsrisiko.

Mehr als 20 Jahre nach Veröffentlichung der WHI-Studienergebnisse wurden die Hinweise auf Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Brustkrebs und mögliche Demenz aus den Fach- und Gebrauchsinformationen von HRT-Präparaten entfernt. Die FDA (US-Gesundheitsbehörde) hat im November 2025 entschieden, die sogenannten „Black Box“-Warnhinweise für HRT-Präparate aufzuheben. Dies geschah auf Grundlage der Auswertung umfangreicher wissenschaftlicher Erkenntnisse und neuer Daten sowie Reanalysen jüngerer Gruppen aus der WHI-Studie.

Heute geht man davon aus, dass vor allem die Art und Anwendungsdauer des Gestagens entscheidend ist. So zeigen Daten der französische E3N-Studie über 8 Jahre, dass die Anwendung einer Kombination von Östrogen mit natürlichem Progesteron in Bezug auf Brustkrebsrisiko von Vorteil sein kann, während das Risiko bei der Anwendung synthetischer Gestagene anstieg.

Die wichtigsten Fakten zum Thema Brustkrebsrisiko:

  • Mit dem Alter, einer familiären Vorbelastung oder ungesunden Lebensgewohnheiten steigt das Grundrisiko – unabhängig von einer HRT.
  • Eine kombinierte HRT mit synthetischen Gestagenen kann das Risiko leicht erhöhen, dabei spielt auch die Dauer eine Rolle.
  • Wer selbst an Brustkrebs erkrankt ist oder war, sollte keine HRT anwenden.

Der wichtigste Risikofaktor für Brustkrebs ist nicht die HRT, sondern das Zusammenspiel vieler Faktoren wie Alter, Genetik und Lebensstil.

Hormonersatztherapie und Thrombose

Ein weiteres Thema ist das Risiko für Thrombosen. Darunter versteht man die Bildung von Blutgerinnseln in den Venen, die den Blutfluss behindern und zu einer tiefen Beinvenenthrombose führen können. Gelangt ein solches venöses Gerinnsel (Thrombus) dann in die Lunge, kann es zu einer lebensbedrohlichen Lungenembolie kommen. Beide Ereignisse zählen zu den sogenannten venösen Thromboembolien (VTE).

Das VTE-Risiko steigt grundsätzlich mit dem Alter und ist bei Frauen höher als bei Männern. Eine Hormonersatztherapie kann dieses Risiko zusätzlich erhöhen, besonders in den ersten Behandlungsjahren und wenn das Östrogen, i. d. R. Estradiol, oral eingenommen wird. Das liegt daran, dass die Leber nach der oralen Einnahme das Estradiol verstoffwechselt und dadurch vermehrt Gerinnungsfaktoren bildet. Risikoärmer ist eine transdermale Estradiol-Anwendung, da diese den Stoffwechsel der Leber umgeht. Im Rahmen der französischen ESTHER-Studie wurde für transdermale Estradiol-Präparate kein erhöhtes Risiko festgestellt. Deshalb können estradiolhaltige Gele, Sprays oder Pflaster für viele Frauen eine risikoärmere Alternative zu Tabletten sein. Aber – bei Frauen mit per se erhöhtem Thromboserisiko ist eine HRT stets kontraindiziert.

Was das Thromboserisiko beeinflusst:

  • Darreichungsform: Die orale Einnahme von Estradiol (Tabletten) erhöht das VTE-Risiko, während eine transdermale Anwendung (Gele, Sprays oder Pflaster) als risikoärmer gilt.
  • Zeitpunkt: Das Risiko ist in den ersten Jahren einer HRT am größten.
  • Persönliche Faktoren: Alter, Übergewicht, Rauchen und Bewegungsmangel erhöhen das VTE-Risiko zusätzlich.

Ob eine Frau unter einer HRT eine Thrombose bekommt, hängt insbesondere von der persönlichen Veranlagung, dem Lebensstil sowie Art der HRT ab (u. a. Applikationsform, Dauer, Dosis).

Herzinfarkt durch Hormonersatztherapie

Die Wirkung der Hormonersatztherapie auf die Herzgesundheit hängt stark davon ab, wann mit der Behandlung begonnen wird. Wird eine HRT innerhalb von zehn Jahren nach der letzten Regelblutung oder vor dem 60. Lebensjahr gestartet, kann dies einen positiven Effekt haben. Es gibt Hinweise darauf, dass Östrogene die Blutgefäße „schützen“ können, indem sie Ablagerungen (Plaques) in den Arterien verhindern. Unter diesen Umständen treten Herzerkrankungen teilweise sogar seltener auf.

Anders sieht es aus, wenn die Behandlung erst viele Jahre nach Eintritt der Menopause begonnen wird. Der Körper hat sich dann bereits auf die niedrigeren Hormonspiegel eingestellt und vorhandene Gefäßablagerungen können durch die Hormone instabil werden. In diesem Fall steigt das Risiko für Herzinfarkte und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wenn also bereits arterielle Ablagerungen (atherosklerotische Plaques) bestehen oder mehrere Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder hohe Cholesterinwerte vorliegen, sollte eine HRT sehr sorgfältig abgewogen werden.

Herzinfarktrisiko unter HRT im Überblick:

  • Frühzeitiger Beginn (direkt nach der Menopause, vor 60 Jahren): kein erhöhtes Risiko, möglicherweise sogar ein „Schutzeffekt“
  • Später Beginn (mehr als zehn Jahre nach der Menopause): erhöhtes Risiko, vor allem bei bestehenden Gefäßveränderungen
  • Individuelle Faktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht, Rauchen oder Diabetes beeinflussen das Risiko zusätzlich negativ.

Für Frauen mit schwerwiegenden oder zahlreichen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren gilt: Nutzen und Risiken einer HRT sollten sehr sorgfältig abgewogen und die risikoärmste Therapie-Option gewählt werden.

Hormonersatztherapie und Schlaganfälle

Etwas anders stellt sich die Situation beim Schlaganfall dar. Hier zeigen Studiendaten, dass das Risiko unter einer oralen Hormonersatztherapie, also einer HRT mit Tabletten, ansteigt. Wie stark dieser Anstieg ins Gewicht fällt, hängt vor allem vom Alter ab.

Ein Zahlenbeispiel:

  • Frauen zwischen 50 und 59 Jahren ohne HRT: etwa 3 Schlaganfälle pro 1.000 Frauen innerhalb von fünf Jahren
  • Frauen zwischen 50 und 59 mit HRT: etwa 0 bis 3 Schlaganfälle pro 1.000 Frauen

Die Art der Anwendung macht jedoch einen entscheidenden Unterschied. Bei transdermaler Anwendung (Gel, Spray, Pflaster) scheint das Risiko nicht erhöht zu sein. Für alle Frauen, insbesondere aber jene mit bereits bestehenden Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes, ist diese Form deshalb die risikoärmere Wahl.

Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem Alter und ist zudem von der Anwendungsform der HRT abhängig. Eine sorgfältige ärztliche Abklärung ist daher unverzichtbar.

Hormonersatztherapie und Eierstockkrebs

Ob eine Hormonersatztherapie das Risiko für Eierstockkrebs erhöht, ist noch nicht abschließend geklärt. Das Risiko für die Entstehung eines Eierstockkrebses durch eine HRT scheint – in Abhängigkeit von der Dauer der Therapie – erhöht. Genauere Aussagen gehen auseinander. Fachgesellschaften machen deshalb derzeit keine zuverlässigen Aussagen zur Sicherheit einer HRT in Bezug auf Ovarialkarzinom.

Hormonersatztherapie und Gebärmutterschleimhautkrebs (Endometriumkarzinom)

Deutlich besser erforscht ist der Zusammenhang zwischen HRT und dem Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs. Eine reine Östrogen-Therapie (eine sogenannte Östrogen-Monotherapie) kann dazu führen, dass sich die Gebärmutterschleimhaut übermäßig verdickt (Endometriumhyperplasie) und dadurch Krebs der Gebärmutterschleimhaut entsteht.

So zeigt sich das Risiko im Vergleich:

  • Ohne HRT: Bei etwa fünf von 1.000 Frauen zwischen 50 und 65 Jahren wird ein Endometriumkarzinom diagnostiziert.
  • Mit einer reinen Östrogen-Monotherapie: Je nach Dosis und Behandlungsdauer steigt die Zahl auf zehn bis 60 von 1.000 Frauen im gleichen Alter – also fünf bis 55 zusätzliche Fälle.

Dieses Risiko lässt sich jedoch wirksam verringern: Wenn zusätzlich zum Östrogen ein Gestagen für mindestens zwölf Tage pro 28-Tage-Zyklus gegeben wird, schützt dies die Gebärmutterschleimhaut vor einem übermäßigen Aufbau. Deshalb verordnen Ärztinnen und Ärzte Frauen mit Gebärmutter immer eine kombinierte Therapie aus einem Östrogen und Gestagen.

Wichtig ist, dass das Gestagen regelmäßig und in ausreichender Dosierung angewendet wird. Ist die Dosis zu niedrig oder die Wirkung zu schwach, wird die Gebärmutterschleimhaut zu stark aufgebaut, was ein Risiko für Wucherungen mit sich bringt. Ein Warnsignal dessen können unerwartete Blutungen sein, wie etwa Blutungen außerhalb des üblichen Zeitfensters, sehr lange Blutungen oder erneute Blutungen nach einer längeren Pause. In solchen Fällen sollte unbedingt ein Termin bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt vereinbart werden.

Eine reine Östrogen-Monotherapie erhöht das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs deutlich. Durch die zusätzliche Gabe eines Gestagens kann dieses Risiko jedoch zuverlässig gesenkt werden.

Brustspannen, Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen und andere Nebenwirkungen unter einer HRT

Neben den genannten Risiken kann die Hormonersatztherapie – wie jede andere Medikation – auch leichtere, alltägliche Nebenwirkungen auslösen. Dazu gehören beispielsweise Brustspannen, Kopfschmerzen oder Wassereinlagerungen. Sie treten vermehrt in den ersten Wochen nach Beginn der Behandlung auf und bessern sich häufig, sobald sich der Körper auf die Therapie eingestellt hat. Zu häufigen anfänglichen Nebenwirkungen zählen:

  • Brustspannen: Entsteht durch die Anpassung an veränderte Hormonspiegel. Oft hilft es, gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt die Dosis zu reduzieren oder auf ein anderes Präparat zu wechseln.
  • Kopfschmerzen: Können durch die Hormonumstellung und Veränderungen im Flüssigkeitshaushalt auftreten. Ausreichendes Trinken kann bereits helfen. Gelingt es dadurch nicht, sollte gegebenenfalls ein Präparatewechsel geprüft werden.
  • Wassereinlagerungen: Werden durch den Einfluss von Östrogenen auf den Flüssigkeitshaushalt begünstigt. Hilfreich sind eine salzarme Ernährung, Bewegung oder eine andere Darreichungsform.

Wenn die Nebenwirkungen anhaltend oder sehr belastend sind, sollte unbedingt eine ärztliche Rücksprache erfolgen. Oft reicht schon eine Anpassung der Dosierung oder Änderung der Darreichungsform (z. B. Wechsel von Tabletten auf ein Gel oder Pflaster), um die Nebenwirkungen spürbar zu verringern.

Gewichtszunahme durch Hormonersatztherapie

Oft haben Frauen die Sorge, dass eine Hormonersatztherapie automatisch zu einer Gewichtszunahme führt. Eine Analyse von mehr als 20 Studien konnte zeigen, dass es unter einer HRT zu keinem signifikanten Unterschied im BMI-Anstieg kommt im Vergleich zu keiner HRT. Vielmehr sind es oft der natürliche Hormonrückgang und der veränderte Stoffwechsel in den Wechseljahren, die zu ein paar zusätzlichen Kilos führen können.

Dennoch berichten manche Frauen, die eine HRT anwenden, von Wassereinlagerungen oder verändertem Appetit. Diese Veränderungen lassen sich jedoch meist durch Anpassung der Dosierung oder durch einen Wechsel der Darreichungsform (z. B. von Tabletten zu Gelen oder Pflastern) abmildern.

Wichtige Fakten zum Thema Gewicht und HRT:

  • Keine klare Ursache-Wirkung-Beziehung: Eine HRT allein macht nicht „automatisch dick“.
  • Stoffwechsel und Ernährung spielen in den Wechseljahren eine größere Rolle.
  • Wassereinlagerungen können das Gewicht vorübergehend erhöhen.
  • Bewegung und Ernährung sind entscheidend, um das Gewicht stabil zu halten.

Eine HRT ist nicht automatisch ein Risikofaktor für Übergewicht. Wenn du aktiv bleibst und auf deine Ernährung achtest, kannst du dein Körpergewicht meist gut im Gleichgewicht halten.

Fazit: Vorteile und Risiken der Hormonersatztherapie individuell abwägen

Die Wechseljahre können eine herausfordernde Zeit sein – körperlich und auch mental. Vielleicht fühlst du dich unausgeglichen, schläfst schlecht oder kämpfst mit Hitzewallungen und Erschöpfung. Eine Hormonersatztherapie (HRT) kann in dieser Phase ein echter Wendepunkt sein. Sie kann helfen, quälende Beschwerden zu lindern, wieder besser zu schlafen, sich wohler im eigenen Körper zu fühlen und ein Stück Lebensfreude, Energie und Gelassenheit zurückzugewinnen.

Darüber hinaus kann die Therapie auch präventive Vorteile haben. Sie trägt zur Aufrechterhaltung der Knochendichte bei und hilft, langfristig die Gesundheit unterstützen. Gleichzeitig ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass jede Frau anders ist und dass eine HRT nicht für alle gleichermaßen geeignet ist.

Die Entscheidung für oder gegen eine Hormonersatztherapie oder andere Therapie-Optionen und Hilfen sollte immer individuell und gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt getroffen werden. Sie sollte immer einen Fokus auf deine persönliche Lebenssituation, deine Gesundheit und das, was dir wichtig ist, legen.

Am Ende zählt: Du musst diesen Weg nicht allein gehen. Sprich offen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über deine Beschwerden, Sorgen und Wünsche. Gemeinsam könnt ihr herausfinden, welche Behandlungsform wirklich zu dir passt, damit du diese Lebensphase selbstbestimmt, gut begleitet und mit einem sicheren Gefühl gestalten kannst.

Fragen und Antworten rund um Vorteile und Risiken der Hormonersatztherapie

Viele Frauen haben ähnliche Fragen, wenn es um die Vorteile und Risiken der Hormonersatztherapie geht. Hier findest du die wichtigsten Antworten im Überblick.

Nein, eine direkte Gewichtszunahme durch die HRT ist wissenschaftlich nicht belegt. Veränderungen im Gewicht entstehen meist durch den natürlichen Hormonrückgang und den langsameren Stoffwechsel in und nach den Wechseljahren. Manche Frauen berichten aber von Wassereinlagerungen, die sich auf das Gewicht auswirken können.

Ein leicht erhöhtes Risiko wurde in Studien bei bestimmten Östrogen-Gestagen-Kombinationen über längere Zeit beobachtet. Das Risiko hängt von der Art der eingesetzten Hormone (z. B. bioidentisch oder synthetisch), der Dosierung, der Dauer der Therapie (nach fünf Jahren entspricht das Risiko dem altersentsprechenden Grundrisiko) sowie individuellen Risikofaktoren ab. Bei einer kombinierten Therapie ist das Risiko größer, eine Monotherapie kommt aber nur dann in Frage, wenn die Gebärmutter entfernt ist. Deine Ärztin oder dein Arzt kann prüfen, welches Präparat für dich am risikoärmsten ist.

In jüngeren Jahren, wenn die Behandlung kurz nach Beginn der Wechseljahre begonnen wird, kann die HRT in manchen Fällen positive Effekte auf Herz und Gefäße haben. Wird sie jedoch erst viele Jahre später begonnen, überwiegen mögliche Risiken. Die Entscheidung hängt daher stark vom Zeitpunkt des Therapiebeginns ab.

Haarausfall ist in den Wechseljahren häufig, wird jedoch eher durch die hormonelle Umstellung selbst als durch die HRT ausgelöst. Im Gegenteil: Eine HRT kann positiven Einfluss auf die Struktur der Haare haben. In seltenen Fällen kann die Wahl des Präparats eine Rolle spielen. Hier kann eine Anpassung der Therapie helfen.