
Medizinisch geprüft von Martina Ehmen (Medical Advisor)
Veröffentlicht am 15. Februar 2026
Eine Hormonersatztherapie kann nicht einfach mal so angesetzt werden. Es gilt viele individuelle Faktoren zu berücksichtigen. Näheres zu wichtigen Untersuchungen, Ein- und Umstellungen sowie Erfolgschancen liest du hier.
Der individuelle Behandlungsplan
Die eine Lösung gemäß dem Motto „one fits all“ gibt es für die Wechseljahre nicht. Ergeben Beratung und Untersuchung bei deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt, dass der Ausgleich fehlender Hormone durch eine Hormonersatztherapie (Hormone Replacement Therapy = HRT) aus medizinischer Sicht sinnvoll wäre, erstellt dir deine Ärztin oder dein Arzt einen individuellen Behandlungsplan.
Die Basis für diesen individuellen Behandlungsplan sind eine ausführliche Untersuchung sowie Einschätzung des vorliegenden Beschwerdebildes. Welche Symptome belasten dich am meisten? Wie stark sind welche Beschwerden ausgeprägt? Welche Vorerkrankungen oder auch familiären Belastungen gibt es? Die Antworten auf diese und weitere Fragen spielen eine wichtige Rolle bei der Wahl der für dich optimalen Therapieform.
Um Ärztinnen und Ärzten sowie den Patientinnen die Entscheidung für die individuell passende Hormonersatztherapie zu erleichtern, fassen die deutschen, österreichischen und schweizerischen Fachgesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe den aktuellen Stand gesicherter wissenschaftlicher Daten in der Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“ zusammen und aktualisieren die Inhalte in regelmäßigen Abständen. Die vollständige Leitlinie findest du hier frei zugänglich.
Was sind Leitlinien in der Medizin?
Eine Leitlinie fasst den aktuellen medizinischen Forschungsstand für eine bestimmte Erkrankung oder ein Beschwerdebild sowie deren Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zusammen. Eine Leitlinie wird von Expertinnen und Experten erstellt und regelmäßig auf Aktualität überprüft. Leitlinien unterstützen Ärztinnen und Ärzte bei ihren Entscheidungsfindungen und geben – quasi als Schlussfolgerung aus den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen – Handlungsempfehlungen.
Untersuchungen vor einer Hormonersatztherapie
Schweißausbrüche, schlaflose Nächte, Stimmungsschwankungen – viele Frauen fühlen sich durch diese und manch andere Wechseljahresbeschwerden im Alltag belastet. Diese Beschwerden musst du aber nicht als gegeben hinnehmen.
Sprich mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt, wenn dich diese oder andere Beschwerden im Alltag einschränken und deine Lebensqualität darunter leidet. Im gemeinsamen Beratungsgespräch lassen sich Möglichkeiten zur Linderung der Beschwerden durch eine wirksame Therapie und eventuelle Anpassungen der Lebensgewohnheiten besprechen.
Schlüssel zu jeder Diagnose – die Anamnese
Der Begriff Anamnese beschreibt das gezielte Erfragen von Beschwerden und der individuellen medizinischen Vorgeschichte durch eine Ärztin oder einen Arzt. So können wichtige Hinweise und Informationen gewonnen werden, die sowohl für die Diagnose als auch für die anschließende Behandlung wichtig sein können.
Vor der Entscheidung für oder gegen eine Hormonersatztherapie erfragt die Ärztin oder der Arzt während der Anamnese die Art und das Ausmaß der Wechseljahresbeschwerden. Treten Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit, Stimmungsschwankungen auf? Liegen andere Beschwerden z. B. der Gelenke, oder aber auch Ängste, sexuelle Probleme und Zyklusveränderungen vor? All diese und noch einige andere Anzeichen werden häufig im Zusammenhang mit dem Beginn der hormonellen Umstellung beobachtet, wobei ihre Häufigkeit und Dauer stark schwanken können. Auch müssen nicht zwangsläufig alle Symptome gleichzeitig auftreten.
Ebenfalls wichtig für die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt ist deine eigene und familiäre Krankengeschichte. Es ist hilfreich, eventuelle gesundheitliche Probleme oder erbliche Vorbelastungen anzusprechen, zu kennen und diese einordnen zu können. Darüber hinaus wird sich die Ärztin oder der Arzt nach persönlichen Lebensstilfaktoren erkundigen. Hierzu zählen Fragen wie:
- Rauchst du?
- Konsumierst du regelmäßig Alkohol?
- Wie ernährst du dich überwiegend?
- Treibst du Sport?
Tipp:
Deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt kann darüber hinaus auch Blut abnehmen und deinen Hormonstatus bestimmen. Dies ist aber nicht in jedem Fall zwingend erforderlich.
Ist der individuelle Leidensdruck der Wechseljahresbeschwerden hoch und sind die Hormonwerte verändert (falls sie ermittelt wurden), kann eine Hormonersatztherapie möglicherweise helfen. In diesem Fall steht dir deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt beratend zur Seite und erläutert dir die möglichen Behandlungsoptionen.
Bevor mit einer Hormonersatztherapie begonnen werden kann, wird dich deine Ärztin oder dein Arzt zusätzlich körperlich sowie gynäkologisch untersuchen. Dein Blutdruck wird gemessen und der Body-Mass-Index (BMI) anhand von Größe und Gewicht bestimmt. Die äußeren und inneren Genitalien werden untersucht, die Brust wird abgetastet. Ein initialer Ultraschall der Brüste, ggf. eine Mammografie, ist wünschenswert. Im Rahmen der allgemeinen jährlichen Vorsorgeuntersuchung wird zusätzlich ein Abstrich vom Gebärmutterhals entnommen und in aller Regel auch eine Ultraschalluntersuchung der Gebärmutter und der Eierstöcke durchgeführt.
Wechseljahre schon mit Anfang 40?
Manchmal treten Beschwerden, die eigentlich als typisch für die Wechseljahre gelten, schon sehr früh auf. Von vorzeitigen Wechseljahren sprechen Expertinnen und Experten, wenn diese bereits vor dem 40. Lebensjahr auftreten. Im Falle von Frauen, die zwischen 40 und 45 Jahre alt sind und wechseljahrestypische Beschwerden schildern, die auf eine hormonelle Veränderung hindeuten, wird eine ausführliche Eigen- und Familienanamnese erhoben. Die Leitlinien empfehlen zudem die Überprüfung des Hormonstatus. Dazu gehören Estradiol, Progesteron, FSH (Follikelstimulierendes Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon). Gleiches gilt für Frauen unter 40, bei denen der Verdacht auf vorzeitige Wechseljahre vorliegt. Durch die Bestimmung der Hormonwerte kann die Frauenärztin bzw. der Frauenarzt feststellen, ob die Symptome durch den Eintritt der Wechseljahre hervorgerufen werden oder ob es womöglich andere Ursachen gibt.
Wechseljahresbeschwerden oder Schilddrüsenerkrankung?
Nicht immer lassen sich die Beschwerden zweifelsfrei den Wechseljahren zuschreiben. Auch Schilddrüsenerkrankungen treten bei Frauen über 40 häufiger auf und können sich mit ähnlichen Symptomen bemerkbar machen. Um eine Schilddrüsenfunktionsstörung von Wechseljahresbeschwerden zu unterscheiden, werden spezifische Schilddrüsenhormone (TSH, fT3 und fT4) bestimmt.
Abhängig von der Patientinnengeschichte und etwaigen weiteren Beschwerden können zusätzliche Blutwerte Aufschluss über den Stoffwechsel und den Gesundheitszustand der Patientin geben. Darüber hinaus kann auch eine Analyse des Urins erfolgen.
Vorbeugende Untersuchungen
Grundsätzlich sollen Frauen über die Bedeutung von Krebsfrüherkennungsmaßnahmen informiert werden, auch vor Beginn einer HRT.
Bei Verdacht auf bestimmte Krankheiten sind eventuell zusätzliche spezielle Untersuchungen notwendig: zum Beispiel kann eine Knochendichtemessung Hinweise darauf geben, ob ein erhöhtes Osteoporose-Risiko vorliegt. In diesem Fall ist der Nutzen einer HRT belegt.
Zum Ausschluss bestimmter Krebserkrankungen wird die Frauenärztin bzw. der Frauenarzt Früherkennungsuntersuchungen empfehlen, wie beispielsweise Ultraschall der Brüste und/oder eine Mammographie zur Brustkrebsvorsorge. Frauen mit Brustkrebs und nahe Angehörige sollten keine HRT erhalten.
Ebenso sollte generell das Thromboserisiko vor Beginn einer HRT überprüft werden. Denn dieses kann durch eine HRT zusätzlich gesteigert werden – allerdings kommt es auf die Applikationsform an. So scheint z. B. die transdermale Anwendung von Estradiol das Thromboserisiko nicht weiter zu erhöhen, die oraler Anwendung aber sehr wohl.
Nutzen-Risiko-Abwägung
Basierend auf allen Untersuchungsergebnissen erfolgt als Nächstes durch die Ärztin bzw. den Arzt und die Patientin eine gemeinsame Nutzen-Risiko-Abwägung der therapeutischen Möglichkeiten. Damit wird sichergestellt, dass in deiner Situation eine Therapie mehr Vor- als Nachteile verspricht. Grundsätzlich gilt darüber hinaus für eine Hormonersatztherapie: Während der individuell erforderlichen Behandlungsdauer wird die niedrigste Dosis gewählt, die zur Linderung deiner Beschwerden notwendig ist.
Regelmäßige Verlaufskontrollen während der HRT
Während der Hormonersatztherapie wird in regelmäßigen Abständen kontrolliert, ob sich das Beschwerdebild verbessert hat und ob die Hormonwerte im „richtigen“ Bereich liegen. Zu Beginn der Hormonersatztherapie sollte bei deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt im ersten Jahr zunächst alle drei Monaten geprüft werden, wie du mit der Behandlung zurechtkommst, wie sich die Beschwerden und Hormonwerte entwickeln und ob möglicherweise Dosisanpassungen erforderlich sind. Anschließend sollten alle 6 bis 12 Monate weitere Kontrolluntersuchungen bei deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt erfolgen.
Wichtig zu wissen: Unabhängig vom Zeitpunkt der letzten Regelblutung (Menopause) und dem eventuellen Beginn einer Hormonersatztherapie solltest du weiterhin einen jährlichen Krebs-Vorsorgetermin bei deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt vereinbaren. Die Vorsorgeuntersuchungen umfassen die Gebärmutter, die Eierstöcke und die Brüste. Denn gerade in diesem Alter steigt das Risiko für bösartige Erkrankungen dieser Organe.
Flexible Dosisanpassung an deine Bedürfnisse
Jede Patientin empfindet anders – daher kann der wahrgenommene Wirkeintritt einer Hormonersatztherapie sehr individuell sein und variiert von wenigen Tagen bis zu mehreren Wochen. Um herauszufinden, ob die Hormondosis für dich passt, solltest du deiner Frauenärztin bzw. deinem Frauenarzt im Rahmen der regelmäßigen Termine mitteilen, inwiefern die Wechseljahresbeschwerden zurückgegangen sind und ob du mit der Behandlung zufrieden bist. Da viele Präparate mit unterschiedlichen Wirkstoffzusammensetzungen und Dosierungen zur Verfügung stehen, kann die Therapie gegebenenfalls flexibel angepasst werden. Zudem gibt es verschiedene Applikationsformen. Neben Tabletten bzw. Kapseln werden auch transdermale Präparate (z. B. Gel, Pflaster, Spray), die über die Haut angewendet werden, eingesetzt. Bei transdermalen Gelen oder Sprays kann die Dosis besonders einfach, individuell und in kleinen Dosisschritten angepasst werden.
Wie lange darf ich die Hormone anwenden?
Wie die Wechseljahre selbst, so ist auch die Therapie der Beschwerden meist zeitlich begrenzt. Eine allgemeingültige Empfehlung über die optimale Dauer einer Hormonersatztherapie gibt es allerdings nicht. Eine Hormonersatztherapie über einen Zeitraum von bis zu fünf Jahren gilt als risikoarm. Nach drei bis fünf Jahren kann ein langsames „Ausschleichen“ der Medikamente in Erwägung gezogen werden. Dafür wird die Dosis beispielsweise über einen Zeitraum von etwa zwei bis drei Monaten langsam gesenkt. Treten dann wieder Beschwerden auf, kann die Hormonersatztherapie auch weiter fortgeführt werden.
Wichtig zu wissen: „Keine Beschwerden mehr“, das bedeutet nicht, dass die Therapie abgesetzt werden kann. Denn das kann dazu führen, dass bei dir die klimakterischen Beschwerden zurückkehren. Auch geht die Schutzwirkung für z. B. die Knochen mit Absetzen der HRT verloren. Ein eigenständiges Absetzen der Hormone sollte daher nicht ohne ärztliche Rücksprache erfolgen.
Was bedeutet eigentlich Adhärenz?
Eine regelmäßige Einnahme bzw. Anwendung der verordneten Medikamente, die sogenannte Adhärenz oder „Therapietreue“, ist trotz und gerade bei guter Befindlichkeit wichtig, um langfristig von einer Hormonersatztherapie zu profitieren.
Sprich mit deiner Frauenärztin bzw. deinem Frauenarzt, bevor du wegen Nebenwirkungen eine Therapie abbrichst. Sie bzw. er kann die Therapie deiner individuellen Situation anpassen. Unter Umständen ist eine andere Dosierung oder Anwendungsform besser geeignet, um die Symptome bei guter Verträglichkeit zuverlässig zu lindern.


